Entscheidung: 2020 gibt es keine GFL-Saison!

Nun ist die Entscheidung gefallen: 2020 wird es keine GFL-Saison geben! Bis zuletzt hat man nicht nur in Schwäbisch Hall darauf gehofft, dass die Entwicklung der Corona-Pandemie sowie die damit verbundenen Maßnahmen und Einschränkungen einen zumindest verkürzten Spielbetrieb zulassen würden. Am Freitag wurde nun die endgültige Absage für 2020 entschieden.

Unicorns GB 2019 (Foto: Sarah Philipp)

„Wir haben alles dafür getan und die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgegeben, dass wir in diesem Jahr eine wie auch immer geartete GFL-Runde und damit Football im Optima Sportpark spielen können“, sagt der Unicorns-Vorsitzende Jürgen Gehrke. „Die Rahmenbedingungen lassen dies absehbar aber leider nicht zu und auf mögliche Änderungen können wir nicht länger warten.“ Der Mindestvorlauf für eine Spielrunde wurde bereits auf äußerst knappe vier Wochen reduziert. So musste nun aber auch endgültig entschieden werden, um eine angedachte Minisaison von September bis Anfang November zeitlich überhaupt noch möglich zu machen.
 
Die Schwäbisch Hall Unicorns gehörten zu den letzten sechs der 16 GFL-Vereine, die zur Teilnahme an dieser Spielrunde bereit gewesen wären. Und das aus gutem Grund, wie Sportdirektor Siegfried Gehrke erklärt: „Unser Hauptverein, die TSG Schwäbisch Hall e.V., ist ein Sportverein und kein Sportverhinderungsverein. In unserer Satzung ist der Auftrag verankert, unseren Mitgliedern die Ausübung ihres Sports zu ermöglichen. Bei American Football bedeutet das eben auch einen Wettbewerb, sofern dieser irgendwie machbar ist.“ Aus diesem Verständnis heraus hat der Vorstand der Unicorns auch bis zuletzt dafür gekämpft, dies zu ermöglichen.
 
Dass dieser Kampf in diesem von der Corona-Pandemie bestimmten Jahr nun leider erfolglos zu Ende geht, hat mehrere Gründe. Da ist zunächst und an oberster Stelle das nach wie vor existierende Gesundheitsrisiko. Zwar sind die COVID-19-Infektionszahlen auch in Schwäbisch Hall und Umgebung seit einigen Wochen extrem niedrig, gebannt ist die Gefahr aber noch lange nicht, was nicht zuletzt auch die Entwicklung des Infektionsgeschehens in der zurückliegenden Woche deutlich macht. Das sahen am gestrigen Freitag auch die anderen GFL1-Vereine, die bis zuletzt auf die Möglichkeit einer verkürzten Saison gehofft hatten, so. Bei einem Treffen mit dem Verband und der Liga in Frankfurt entschieden sich fünf Teams bei einer Enthaltung gegen die eigene Teilnahme an einem GFL-Spielbetrieb in 2020.
 
„Man kann das Risiko durch verschiedene Maßnahmen im Training sehr niedrig halten und diese haben wir auch alle umgesetzt. Im Stadion ist das für die Zuschauer aber deutlich schwieriger und riskanter, denn wir reden eben von Veranstaltungen mit mehr als nur 100 oder 250 Besuchern“, sagt Jürgen Gehrke. Lange hatte man gehofft, dass sich die Risikolage weiter merklich entspannt, musste nun aber insbesondere in den letzten Tagen das Gegenteil zur Kenntnis nehmen: „Die Zahlen zeigen seit einer Woche in Deutschland leider wieder einen anderen Trend. Wie sich das bis September in unserer Region und insbesondere auch durch baden-württembergische Urlaubsrückkehrer entwickeln wird, ist nicht absehbar. Die allgemeinen Prognosen sind dazu düster. Vor diesem Hintergrund können wir Stand heute die Verantwortung für unsere Zuschauer im Stadion guten Gewissens nicht übernehmen.“
 
Die auch vor diesem Hintergrund konsequenterweise noch nicht wesentlich gelockerten Vorschriften bezüglich maximaler Zuschauerzahlen und sonstiger Vorschriften für Veranstaltungen, stellen die nächste große Hürde dar. „Unser Stadion hat enge Kapazitätsgrenzen. Stand heute könnten wir im Optima Sportpark vor höchstens einem Viertel unserer sonst üblichen Anzahl Zuschauer spielen. Und dafür müssten wir dann auch noch den fast doppelten Personalaufwand betreiben, um alle Regeln korrekt einhalten zu können“, weiß Jürgen Gehrke. Auch hier hatte man auf bessere Bedingungen und noch im Juli auf eine Änderung der Vorgaben für nach den Sommerferien gehofft. „Diese Änderungen sind nicht gekommen und angesichts der aktuellen Entwicklung verständlicherweise auch nicht in Sicht“, zeigt sich der Vorsitzende enttäuscht. „So ergibt sich das Risiko, dass der Spielbetrieb nur mit einem zu großen Griff in unsere Rücklagen finanzierbar wäre. Die mittel- und langfristig möglichen Folgen, können wir gegenüber unseren Mitgliedern und Fans nicht verantworten.“
 
Bleibt aus sportlicher Sicht noch das Problem, dass auch die Auflagen für das Mannschaftstraining noch nicht geändert wurden und dazu regional in Deutschland auch unterschiedlich sind. So trainieren die Unicorns auf der Grundlage der baden-württembergischen Spitzensportverordnung schon seit Mitte April wieder in stufenweise immer größer gewordenen Gruppen, mehr als 20 Personen sind pro Gruppe aber noch immer nicht erlaubt. Auch hier wollte man in Hall den Kopf nicht zu früh in den Sand stecken und hatte auf neue Vorgaben bis Ende Juli gehofft. Vergebens, denn ein echtes und insbesondere vollständiges Mannschaftstraining ist bis auf weiteres noch nicht erlaubt. Selbst ein normales, auflagenfreies Trainingsspiel mit elf gegen elf Spielern ist in Baden-Württemberg noch nicht möglich.
 
„Man kann uns sicher nicht vorwerfen, dass wir nicht alles versucht hätten, eine wie auch immer geartete Saison 2020 zu spielen. Unter dem Strich mussten wir uns unter Abwägung aller Chancen und Risiken nun aber leider dagegen entscheiden. Eine Entscheidung, die wir uns alles andere als leicht gemacht haben“, zieht Jürgen Gehrke sein Fazit aus der anstrengenden Hängepartie der letzten Monate.
 
Die Unicorns-Fans, die Anfang des Jahres eine Dauerkarte für die GFL-Saison gekauft hatten, werden in den nächsten Tagen von den Unicorns kontaktiert.