Am Ende standen fast ebenso viele Yards an Raumstrafen in der Statistik, wie es per Passspiel voran ging. Zudem leistete man sich in jeweils aussichtsreicher Position drei kostspielige Ballverluste. Zu viel, um den Sieg gegen eine Mannschaft einzufahren, die über weite Strecken vor allem das auszeichnete, was den Phantoms nach einem guten ersten Spielviertel völlig abhanden kam: Disziplin und Effektivität. So entkamen die Gäste vor allem am Ende des Spiels einem möglichen Punktverlust.
Entsprechend deutlich war auch die Ansage von Phantoms-Cheftrainer an seine Mannschaft nach dem Spiel. Ein Blick auf die Tabelle weist nun neun Niederlagen für die Phantoms aus. Fünf dieser Niederlagen sind mit sieben Punkten oder weniger Differenz vermerkt. Alles Spiele, in denen man nicht nur in Schlagdistanz zum jeweiligen Gegner blieb, sondern auch reelle Siegchancen hatte. Das Spiel gegen die Bandits demonstrierte aber einmal mehr, warum all diese fünf Spiel letztlich verloren wurden, den neun Niederlagen bisher ganze drei Siege gegenüberstehen.
Die beiden ersten Angriffsserien Wiesbadens wurden jeweils mit einem Touchdown abgeschlossen. Robin Bräuer zeigte sich in beiden Fällen als erfolgreicher Abnehmer der Pässe von Kevin Brüngel. Der zwischenzeitliche Anschluss-Touchdown durch den stärksten Mannheimer in diesem Spiel, US-Ballträger Sean Cooper, störte nicht den positiven Gesamteindruck, den die Heimmannschaft bis Mitte des zweiten Spielviertels den Zuschauern bot. Als man gar im Anschluss an das 14:6 die Gäste in deren vierten Versuch kurz vor der Phantoms-Endzone stoppen konnte, schien es, als könne man den schwungvollen und erfolgreichen Auftakt ins Spiel fortsetzen.
Doch stattdessen brachte man sich mit einer ganzen Serie von Verstößen komplett aus dem Rhythmus und die Bandits zurück ins Spiel. Gleich zwei Mal machten „Holding“-Strafen ein neues First Down zunichte. Selbst als man sich vermeintlich aus einer schier auswegslosen Situation befreit hatte, die zuvor durch vier aufeinanderfolgende Strafen entstanden war. Die Gäste bedankten sich für diese Steilvorlagen und kamen zunächst durch Spielmacher Marco Ehrenfried auf 14:12 heran, bevor nach einem weiteren mentalen Aussetzer der Phantoms Sean Cooper unmittelbar vor dem Pausenpfiff das 18:14 für Mannheim besorgte.
Dem Penalty-Reigen der ersten Halbzeit folgte der fahrlässige Umgang mit dem Spielgerät im zweiten Abschnitt. Doch zunächst durften die Gäste ihre erste Angriffsserie nach der Pause mit dem 24:14 abschließen, als Marco Ehrenfried seinen Teamkollegen Danny Washington aus zwei Yards Entfernung in der Endzone fand. Es folgte ein gelungener „Drive“ der Phantoms bis auf die 8 Yard Linie der Gäste. Zwei Spielzüge später verlor der ansonsten gut aufspielende Kevin Brüngel den Ball, als er einen harten Tackle einstecken musste und die Chance auf den Anschluss war verpasst.
Als Sean Cooper das selbe Missgeschick wie kurz zuvor Kevin Brüngel passierte, nutzten die Phantoms ihre Chance und verkürzten per Kreuzer-Field Goal die Gästeführung auf sieben Punkte. Hoffnung keimte auf, zumal sich die Bandits kurz darauf per Punt vom Angriffsrecht trennen mussten. Doch es folgte Ballverlust Nummer Zwei in der Hälfte der Mannheimer. Die Ballübergabe von Brüngel an Dominik Voigtländer klappte nicht und die Möglichkeit auf den Ausgleich war dahin. Zu guter Letzt endete auch der dritte Versuch, den Spielstand noch zu egalisieren, in den Händen der Bandits-Verteidigung. Diesmal fingen die Gäste einen Pass von Brüngel eine Minute vor Spielende auf ihrer 40 Yard Linie ab und beendeten damit endgültig als Sieger das Spiel.
Die Erkenntnisse über das „Warum“ waren den Protagonisten nach Spielende deutlich anzusehen. Zum wiederholten Male ging man Verlierer vom Feld mit dem Wissen, einen möglichen Sieg leichtfertig verschenkt zu haben. Über das „Wie“, das Zustandekommen dieser vermeidbaren und so kostspieligen Fehler, werden sich Mannschaft und Trainer erneut Gedanken machen. Denn sich Woche für Woche darauf zu verlassen, dass man den derzeit sechsten Tabellenplatz durch zeitgleiche Niederlagen der Munich Cowboys (13:34 gegen Marburg) und Saarland Hurricanes (spielfrei) halten zu können, kann zum Ende der Saison gehörig schiefgehen.
Ein eigener Sieg muss her. Entweder am kommenden Wochenende in Stuttgart oder am letzten Spieltag im heimischen Helmut-Schön-Sportpark gegen die Munich Cowboys (8. September). Dass dies mit den derzeit so extremen Aussetzern, die das Team immer wieder völlig aus dem Tritt bringen, schwierige Unterfangen werden, ist längst kein Geheimnis mehr. So heißt es weiter zittern für die Phantoms. Der aufmunternde Applaus der Zuschauer im Europaviertel, die durchaus auch Grund zu deutlichen Missfallensbekundungen gehabt hätten, sollte als positives Zeichen mit in die beiden abschließenden Saisonwochen genommen werden. Die Fans haben den Glauben an die Spieler noch nicht verloren. Es wird nun Zeit, dass dieser Glaube sich endlich auch wieder innerhalb der Mannschaft festigt und zeigt. Das spielerische Potenzial für mehr ist da. Eine weitere, nicht unbedingt neue Erkenntnis aus der neunten Saisonniederlage.
