Das Spiel begann nach Maß. Bereits mit dem ersten Drive erzielten die in weiß spielenden Adler die ersten Punkte. Quarterback Alex Good trug den Ball über 9 Yard in die Endzone der in ihrer Traditionsfarbe „navyblau“ antretenden Hamburg Blue Devils. Justin Sterz verwandelte den ersten und alle weiteren PAT. Auf der Gegenseite arbeiteten sich die Gastgeber bis an die 34-Yard-Linie der Adler, der anschließende Fieldgoalversuch von Timo Erbs war zwar lang genug, flog aber weit am rechten Goalpost vorbei. Auch Justin Sterz verschoss anschließend einen Versuch aus 30 Yards und das Angriffsrecht ging wieder auf die Gastgeber über. Diese hatten mit der schnellen und beweglichen Laufverteidigung des sechsfachen Deutschen Meisters - die an diesem Tag trotz der bereits länger andauernden Ausfälle von beispielsweise Mario Nowak oder Pierre von Rymon-Lipinski, hervorragende Arbeit leistete – über das gesamte Spiel hinweg arge Probleme. Dies wurden noch größer, da sich Starting QB Paul Roberts während der nun folgenden Angriffsserie verletzte und nicht auf das Spielfeld zurückkehrte.
Dennis Kuczynski führte seinen Angriff hauptsächlich mit kurzen Pässen über das gesamte Feld und Running Back Marvin Stüdemann trug im ersten Spielzug des zweiten Viertels den Ball die verbleibenden 2 Yards am linken Guard der Adler vorbei. Timo Erbs glich mit seinem PAT zum 7:7 aus. Die nächste Angriffsserie der Adler war eigentlich keine. Ein Deadballfoul ließ den Hauptstadtangriff an der eigenen 35-Yard-Linie beginnen und nach einem tiefen Pass von Alex Good zeigte Danilo Naranjo-Gonzalez wieder mal seine Klasse und lief, hart bedrängt, mit dem Spielgerät in die Endzone. Die Differenz war wieder hergestellt, war aber noch nicht das Ende der ersten Halbzeit. 28 Sekunden vor dieser trug sich der QB der Adler erneut in die Scorerliste ein, es sollte nicht das letzte Mal an diesem Tag gewesen sein.
Mit einem 21:7 im Rücken und das gegnerische Angriffsrecht vor Augen griff Head Coach Wanja Müller beim Kickoff zur zweiten Halbzeit in die Trickkiste. Der Onside-Kick mit anschließender Ballsicherung funktionierte und die Adler übernahmen nahe der Mittellinie erneut den Ball. Trotz der verletzungsbedingten Ausfälle von Sebastian Schambach, der erst gar nicht auflief und Center Erik Seewald, der im zweiten Viertel das Spielfeld verlassen musste, machte die gesamte O-Line an diesem Tag einen hervorragenden Job und war Garant für die nächsten Punkte der Gäste. Diese erzielte Conrad Meadows, der wieder auf beiden Seiten des Balles spielte und jederzeit den Eindruck erweckte, als könne er locker noch ein Spiel anhängen. Sein Sprint über 39 Yards bedeutete das 28:7 und die endgültige Entscheidung.
Nach einem „3 and out“ stellten sich die Teufel selbst ein Bein. Zwei Deadballfouls auf dem dann folgenden Punt ließ die Offense der Adler an der gegnerischen 45-Yard-Linie Aufstellung nehmen. Alex Good lief mit dem Ball an Freund und Feind vorbei und vergrößerte den Punktabstand zum Gastgeber ein weiteres Mal. Mit dem folgenden Drive nahmen die Blue Devils über sieben Minuten von der Uhr und standen am Ende doch mit leeren Händen da. Eine Interception von Sebastian Karl beendete den Angriff in der Redzone seines Teams. Die Gastgeber konnten nach dem folgenden Fumble den Ball zurückerobern und Dennis Kuczynski verkürzte die Differenz wieder auf 21 Punkte.
Mit einem Lauf von Antony Bülow endete das dritte Viertel, mit großem Jubel der gesamten Mannschaft begann das letzte. Der Starting Runningback der Adler-Jugend des Jahres 2011 krönte seinen unermüdlichen Einsatz mit einem sehenswerten Lauf über 32 Yard in die Endzone der Hansestädter. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Adler bereits mehrere ganz junge Spieler auf dem Feld, was diesen Touchdown zum 42:14 noch wertvoller machte. Die nächsten Angriffsversuche beider Teams endeten jeweils mit Punts, kurz vor Ende der Partie brachten sich die Blue Devils mit einem 50-Yard-Pass von Marcel Kuczynski auf Kay Stange und PAT von Timo Erbs zum letzten Mal auf die Anzeigetafel. Das 42:21 aus Sicht der Adler war gleichzeitig der Endstand einer Partie, mit deren Verlauf sich Head Coach Wanja Müller insgesamt zufrieden zeigte.
Ausschlaggebend für den Erfolg seines Teams war, dass dieses in der Zeit ihres Ballbesitzes effektiver agierte. Beide Mannschaften hatten ausgiebig Gelegenheiten, die Adler waren das Team, welches zu finishen wusste. Die Läufe hatten größere Durchschlagskraft, pro Versuch überwanden die Ballträger doppelt so viel Yards, wie ihre Pendants. Auch die Passstatistik fiel zu Gunsten der angereisten Receiver aus. 234 Yards standen 182 der Blue Devils gegenüber. Kein großer Unterschied, aber jeder angekommene Pass – in diesem Spiel 2 von 3 - verleiht der Offense zusätzliche Sicherheit und macht der Defense das Verteidigen gegen den Pass bei einem eigentlich lauforientierten Team nur noch schwerer. Daraus resultieren die „Big Plays“ und die machten am gestrigen Tag auch optisch den Unterschied zwischen beiden Teams aus. Die Gastgeber waren durch den frühen Ausfall ihres QB stark gehandicapt, ihr Angriff konnte die Verteidigung der Adler nur selten in Verlegenheit bringen. Die konzentrierte Leistung aller Mannschaftsteile führte zum überzeugenden Sieg in diesem Spiel der GFL-Gruppe Nord. Das Team der Adler führt weiter zusammen mit den Kiel Baltic Hurricanes die Tabelle an.
Bevor es zum Aufeinandertreffen der noch einzig ungeschlagenen Mannschaften in der GFL am 24.Juni im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark kommen wird, haben es die Hauptstadtfootballer mit einem Gegner zu tun, der seit mehreren Jahren mit an der europäischen Spitze des American Footballs steht. An der Stätte ihres Eurobowltriumphs von 2010 treffen die Adler auf den damaligen Finalteilnehmer. Die Raiffeisen Vikings Vienna, Tabellenführer der österreichischen AFL, haben zum Eurobowlhalbfinale geladen. Die Hohe Warte in Wien wird aus allen Nähten platzen, wenn die Adler am 17.Juni ab 15 Uhr dort auflaufen werden. Unsere Mannschaft wird am Samstagmorgen nach Wien abreisen und dort übernachten. Die Zeit bis dahin wird für die intensive Vorbereitung auf das jetzt wichtigste Spiel des Jahres genutzt werden.
