Aus im Halbfinale

Die Berlin Adler unterliegen im Halbfinale der European Football League den gastgebenden Raiffeisen Vikings in Wien mit 17:41 (7:7, 7:13, 0:14, 7:3) …

Vor 3600 Zuschauern ließen die Gastgeber von Anfang an keinen Zweifel aufkommen, dass sie bereit waren, alles dafür zu tun, um in das Endspiel der European Football League einzuziehen. Die Adler waren es auch und so entwickelte sich ein interessantes Spiel mit vielen sehenswerten Szenen. Jesse Lewis, Running Back der Vikings brach vielfach, kraftvoll und wendig zugleich, die Tackles der Verteidiger der Adler und kam am Ende auf einen Schnitt von 8,3 Yards pro Lauf. Auf Seiten der Adler war es Larry Croom, der insgesamt 126 Laufyards erzielte.


Auch bei den Pässen hielten sich die Anteile der Catches beider Teams in etwa die Waage. Michael Zweifels acht gefangene Bälle für 130 Yards wurden von Conrad Meadows noch um 13 Yards übertroffen. Wenn der Quarterback der Adler Kevin Ramay zum Pass auf Conrad ansetzte, wurde es immer schlagartig still auf der Hohen Warte. Und das hatte einen ganz einfachen Grund: Gleich der erste Pass flog über 46 Yards und bedeutete den 7:7 Ausgleich. Zuvor war es Zweifel, der pikanterweise in Wien den Namen „The Eagle“ trägt, der mit einem Pass über 17 Yards die Führung erzielt hatte. Auch in der Folgezeit suchte die # 7 der Adler seine # 4, der im zweiten Spielabschnitt mit einem 58-Yards-Catch auch den weitesten gültigen des Tages erzielte.


Kurz nach dem ersten Seitenwechsel erzielten die Hausherren die erneute Führung zum 14:7, die sie dann bis zum Ende des Spiels nicht mehr abgaben. Erneut war es die # 7 der Wiener, der nach Pass über 28 Yards für die Punkte sorgte. Die Adler blieben weiterhin im Spiel, auch wenn sie in guter Feldposition nicht voll punkten konnten. Kicker Benjamin Scharweit verkürzte mit einem Fieldgoal aus 26 Yards Entfernung auf 10:14 aus Sicht der Gäste. Die Gastgeber wiederum vergrößerten die Führung im direkten Gegenzug, wiederum war es die Kombination der US-Amerikaner, die zuvor schon zwei Mal Punkte auf das Board gebracht hatte.


Beim nächsten Angriff hatten die Berliner Zuschauer wieder das Gefühl, dass in Wien von internationalen Crews getroffene Schiedsrichterentscheidungen in strittigen Fällen immer zu Gunsten der Gastgeber ausfallen. Bereits im vergangenen Jahr kam es zu einigen merkwürdigen Entscheidungen. Diesmal war es zuerst die Situation in der Conrad Meadows einen Pass fing, der vorher über drei Viertel des Spielfeldes(!) flog. Bei diesem wurde nur er wegen einer Passbehinderung bestraft, obwohl sich lange vor dem Catch Verteidiger und Angreifer gegenseitig sichtbar behinderten. Dadurch wurde der Ball an der 2-Yard-Linie der Gäste positioniert. Aus dieser misslichen Situation machte Larry Croom zwar einen neuen ersten Versuch, zu mehr als einem Punt in das Mittelfeld reichte es aber nicht.


Die Wikinger erhielten somit den Ball bei knapp über einer Minute Spielzeit und arbeiteten sich bis in die Nähe der Redzone der Berliner vor. Bei unter zehn verbleibenden Sekunden auf der Spieluhr versuchten die Vikings noch mit zwei Pässen in die Endzone zu kommen, allerdings erfolglos. Was die gesamte Seitenlinie der Adler dann zusätzlich zu den 30°C und der sengenden Sonne auf dem Platz zum Kochen brachte, war, dass der Referee die Spieluhr, die vor dem zweiten ungültigen Passversuch abgelaufen war, nachträglich auf drei Sekunden hochsetzen ließ. Damit ermöglichte er Sebastian Daum einen Fieldgoalkick über 41 Yards, den dieser zum 24:10 Halbzeitstand verwandelte.
Mit dem ersten Drive der zweiten Halbzeit nahmen die Wiener fast sechs Minuten von der Uhr und sorgten durch einen Lauf über drei Yards von Islaam Amadu für die Vorentscheidung des Spiels. Die Schwarz-Gelben ihrerseits mussten nun volles Risiko gehen, wenn sie das Spiel noch drehen wollten. Der Mut zahlte sich diesmal nicht aus. Ein Fake Punt in der Nähe der eigenen Redzone misslang, die Gastgeber übernahmen in der Hälfte der Adler den Ball und machten den Sack endgültig zu. Jesse Lewis, die # 28 der in Gelb gekleideten Wiener krönte seine Leistung mit einem Touchdown über 25 Yards. Neun Minuten vor Spielende verkürzte Daniel Vöhringer mit einem 17-Yard-Catch auf 17:38 nach Pass von Kevin Ramay, der insgesamt sechs seiner fünfzehn geworfenen Bälle an den Mann brachte. Die Receiver seines Gegenübers Christoph Gross fingen 12 von 21 Pässen für 200 Yards.
Den Schlusspunkt unter die Partie setzte Christopher Kappel, der zuvor auch alle PAT verwandelt hatte, mit seinem zweiten Fieldgoal, diesmal über 37 Yards. Zwar erzielten die Adler im Anschluss noch zwei neue First Downs, dabei blieb es dann auch. Zum zweiten Mal in Folge war das Team aus der Hauptstadt in der Vorschlussrunde der European Football League auf der Hohen Warte in Wien ausgeschieden.


„Es hätte alles passen müssen, damit wir heute als Sieger den Platz verlassen. Die Vikings ziehen verdient in das Endspiel ein. Ich bin stolz auf meine Jungs, denn sie haben bis zum Schluss großartig gekämpft. Der Punktestand gibt nicht ganz die Spielanteile wieder. Aber wir haben einige Fehler gemacht, die die Wiener eben nicht gemacht haben. Deshalb geht der Sieg in Ordnung.“, so Head Coach Wanja Müller nach dem Spiel.


Die Adler, die auch diesmal als klarer Außenseiter in dieses Spiel gegangen waren, können sich nun voll auf die nationale Meisterschaft konzentrieren. Ihre Gegner des vergangenen Sonntags dagegen tanzen weiterhin auf zwei Hochzeiten, denn neben dem Spiel um die europäische Footballkrone, welches sie Anfang Juli gegen oder bei den Swarco Raiders Tirol austragen werden, stehen sie auch in den Playoffs der österreichischen Meisterschaft.