Böse Bescherung: Quarterback Demers zieht es rheinaufwärts

Das ist eine böse vor-weihnachtliche Bescherung für die Düsseldorf Panther. Quarterback Robert Demers verlässt den letztjährigen Viertelfinalisten in der German Football League und schließt sich zur neuen Saison GFL-Aufsteiger Köln Falcons an.

„Das ist bitter, da er in den vergangenen Jahren bei uns jegliche Unterstützung und Förderung seiner sportlichen Entwicklung erhalten hat“, zeigt sich Frank Joachim, der Sport-Vorstand des sechsmaligen deutschen Meisters, vom Abgang des 22-jährigen Studenten enttäuscht. „Außerdem haben wir mit Clifford Madison einen der besten Quarterback-Coaches in Europa als neuen Cheftrainer, von dem hätte er sicher auch noch eine Menge lernen können.“

 

Sportlich fair sagt Joachim aber auch: „Wir wünschen Robert für seinen weiteren Weg alles Gute und viel Erfolg – außer in den Spielen gegen die Panther, versteht sich.“ Mit dem Panther-Eigengewächs Demers, der schon seit seinen ersten Anfängen als Flag-Football-Kid zehn Jahre lang bei den Düsseldorfern gespielt hat, wird auch Niklas Römer die Raubkatzen verlassen: Der Neußer, als Passempfänger bevorzugte Anspielstation von Demers, war vor drei Jahren vom damaligen Zweitligisten Falcons aus der Stadt mit der großen Bahnhofskirche nach Düsseldorf gewechselt.

 

„Wir verlieren mit Robert nicht nur unseren Spielmacher, der bei uns in den vergangenen Jahren zum wohl besten deutschen Quarterback herangewachsen ist, sondern auch eine Düsseldorfer Sportpersönlichkeit“, unterstreicht auch Vorstandssprecher Marcel Friedrich und Finanzchef Markus de Haer betont: „Wir wollten ihn unbedingt halten und sind mit unseren Angeboten  bis an unsere wirtschaftliche Schmerzgrenze gegangen – doch er hat sich leider anders entschieden. Mehr war mit Blick auf unseren Konsolidierungskurs nicht möglich.“

 

„Aus seiner Sicht ist der Wechsel nachvollziehbar, vom Kosten-Nutzen-Verhältnis her ist es für ihn wohl die beste Lösung“, zeigt Friedrich Verständnis für den Willicher Demers: „Er studiert und wohnt derzeit in Köln und hat schon immer seine Prioritäten nicht unbedingt im sportlichen Bereich gesetzt.“ So hatte Robert beispielsweise freiwillig im Sommer 2011 auf die Teilnahme an der WM in Österreich mit der deutschen Nationalmannschaft verzichtet. Der gesamte Panther-Vorstand war sich mit Headcoach Madison einig, dass „unser Football-Programm eindeutig Vorrang vor individuellen Interessen haben“ muss. „Wir werden weiter Aufbauarbeit leisten, weiter marschieren und auch weiter erfolgreich sein“, ist sich der neue Cheftrainer sicher. Zu den beiden Abgängen meint Madison ganz pragmatisch mit Blick darauf, das beim Training bislang eh das Kraft- und Konditionstanken Vorrang vor Spieltaktik hat: „Ich kann nichts vermissen, was ich nie gehabt habe. Wir werden auch ohne sie zum Saisonstart in fünf Monaten eine tolle Mannschaft haben.“

 

„Wir können und wollen nicht wegen eines Spielers unser gesamtes System der Nachwuchs-Arbeit umwerfen“, macht Frank Joachim klar, wie wichtig dem Verein die Förderung der mehr als 250 Jugendlichen in den fünf – überaus erfolgreichen – Jugend- und Schüler-Teams ist. Nur einmal in den vergangenen zehn Jahren waren die Rookies des Jugend-Rekordmeisters nicht in den Play-offs um die deutsche Meisterschaft und mit B-, C- und D-Jugend haben drei der Panther-Nachwuchs-Teams in der Saison 2012 die NRW-Meisterschaft (als höchsten ausgespielten Titel ihrer Altersklassen) gewonnen. „Wir sind stolz darauf, unseren Spieler die bestmögliche Ausbildung zukommen zu lassen. Und das wird so bleiben“ Nicht zufällig kommt mit Sebastian Vollmer vom letztjährigen Superbowl-Finalisten New England Patriots der einzige deutsche Stammspieler in der NFL aus dem Jugendprogramm der Düsseldorfer.

 

In Ruhe will die Panther-Führung mit dem neuen Headcoach Clifford Madison entscheiden, wer künftig den Angriff führen soll. „Mit Manuel Engelmann haben wir in dieser Saison schon den nächsten viel versprechenden Quarterback als Demers-Backup im Kader gehabt“, weist Joachim darauf hin, dass der Spielmacher der Junioren-Nationalmannschaft 2011 ebenfalls in Düsseldorf spielt. Und der einstige Klasse-Quarterback Madison weiß: „Manuel ist ein Riesentalent und bringt alles mit, was ein Klasse-Quarterback braucht. Ich freue mich darauf, intensiv mit ihm zu arbeiten.“ Wobei Engelmann seinerseits schon vor Wochen betont hat, dass er auch in der Landeshauptstadt bleiben will: Da lehnte der 20-Jährige, der die Panther-Rookies 2011 zur deutschen Vizemeisterschaft geführt hatte, ein Angebot von Süd-Erstligist Wiesbaden Phantoms ab, bei den Hessen Starter zu werden.