Zunächst jedoch war der Spruch lediglich zusätzliche Motivation für die Kiel Baltic Hurricanes, für die es in diesem Spiel um viel ging. Nur ein Sieg gegen den Tabellenführer würde für ein Heimspiel im Viertelfinale qualifizieren und nur ein Sieg mit mindestens drei Punkten Unterschied würde das Heimrecht für die kompletten Playoffs, exklusive des German Bowl, berechtigen. Mit dieser klaren Maßgabe ausgestattet gingen die Canes ins Spiel. Zunächst kamen die Lions in den Ballbesitz, mussten diesen jedoch nach einem Raumverlust von insgesamt zehn Yards in drei Spielzügen schnell wieder abgeben. Die Canes hingegen konnten ihren ersten Ballbesitz gleich in Punkte umsetzen, als Matthias Eck, der an diesem Tag auch als Kicker eingesetzt wurde, ein Field Goal zur 3-0 Führung erzielen konnte.
Die Lions, die in der ersten Hälfte nur auf drei First Downs kamen, mussten auch in ihrem nächsten Drive wieder schnell punten und so kamen die Canes an ihrer eigenen 28 Yard-Line wieder in Ballbesitz. Das Spiel war insbesondere in der ersten Halbzeit sehr zerfahren. Beide Teams gingen teilweise übermotiviert zur Sache, was zu vielen Strafen führte. Den Canes gelang es gerade in dieser Phase aber trotzdem, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Quarterback Adrian Rainbow profitierte an diesem Tag von der sehr starken Leistung seiner Offense Line. Die Mannen um Sven Ohrt, Philipp Piloth, Olaf Thies, Tobias Biehl und Spielertrainer Benno Crljenkovic erarbeiteten ihrem Quarterback regelmäßig ausreichend Zeit, um seine Anspielstationen zu finden. Rainbow nutzte diese Zeit noch im ersten Quarter für einen 25 Yard Touchdown-Paß auf Wide Receiver Estrus Crayton. Nach vergebenem Extrapunkt stand für die Canes somit eine 9:0 Führung zu Buche.
Einen wichtigen Unterschied an diesem Tag machte das Laufspiel beider Teams. Zu ersten Mal in dieser Saison gelang es den Canes, einen ausgeglichenen Game Plan zu initiieren. Am Ende des Tages standen für die Canes 32 Läufe und 35 Passversuche zu Buche. Eine Bilanz, die insbesondere auch durch das erfolgreiche Auftreten der Running Backs Sascha Gerasimov und Estrus Crayton, sowie von Fullback Alexander Gebauer zustande kam. Mit Hilfe des starken Blockings der Offense Line konnte sich dieses Trio, zusammen mit einigen Läufen von Brandon Langston und sogar Adrian Rainbow, 129 Yards Raumgewinn erarbeiten, was einem Schnitt von 3,6 Yards pro Lauf entspricht. Dem gegenüber stand das hochgehandelte Braunschweiger Duo Jabari Johnson und Michael Andrew, die jeweils sieben Mal den Ball trugen und permanent von der Kieler Defense in Schach gehalten wurden, wie es wohl keiner anderen Offense in der GFL in diesem Jahr bisher gelungen ist. Ein magerer Schnitt von 1,8 Yards pro Lauf war das Ergebnis.
Überhaupt die Defense: Ihr gegenüber stand eine Auswahl der besten Offense Spieler der GFL. Jörg Heckenbach, Kelvin Love, die beiden vorgenannten Running Backs sowie der MVP des letzten German Bowls, Dennis Zimmermann. Aber an diesem Tag aber zeigte sich wieder einmal, dass die von den Coaches Andre Schleemann und Carsten Dohm, zu denen sich an diesem Tag, nach ein paar Wochen beruflicher Abwesenheit, auch Coach Patrick Esume wieder hinzugesellte, glänzend eingestellte Defense zu den Besten in Deutschland gehört. Braunschweigs Quarterback Zimmermann stand permanent unter Druck. Zack Stukes, Chris Rieck, Maxe Grewe, Jeffey Amaning oder Robert Flickinger, die Defense Line der Canes attackierten ohne Unterlass. Unterstützt wurden sie dabei von der Linebacker-Crew um John Van Look, Robert Koster oder den an diesem Tag erstmals für die Canes auf dem Platz stehenden Outside Linebacker Rick Baunacke, der einen glänzenden Einstand hatte.
Das zweite Viertel begann für die Canes mit einem Schock. Zunächst war die Freude in der Teamzone und auf den Rängen groß, als John Van Look einen Pass von Braunschweigs Quarterback abfangen konnte. Im Laufe dieses Spielzugs jedoch beging Canes Defense Back Lenny Greene ein persönliches Foul, das von den Schiedsrichtern als Unsportlichkeit gewertet und mit einem Platzverweis für den Kieler Spieler geahndet wurde. Der Verlust von Greene wiegt durchaus schwer, da beim American Football ein Platzverweis eine automatische Strafe von mindestens einem Spiel nach sich zieht. Das genaue Strafmaß werden wir erst im Laufe der Woche erfahren, wenn der Ligaobmann hierzu seine Entscheidung getroffen hat, so Canes Sportdirektor Jan Weber. Wir hoffen natürlich darauf, dass es bei dem einen Spiel bleiben wird, aber Lenny wird uns gegen Weinheim natürlich fehlen.
Nach der Interception wechselten beide Teams mehrfach den Ballbesitz, ohne das es zu Punkten kam. Die beste Chance hierzu hatte zunächst Kiels Kicker Matthias Eck, der jedoch ein 32 Yard Field Goal verschoss. Im Gegenzug kamen die Lions zu ihren ersten Punkten, als Running Back Michael Andrew mit einem 2 Yard-Lauf den Anschluss zum 7:9 erzielen konnte (PAT Dölger).
Im nächsten Drive verschoss Eck für die Canes erneut, dieses Mal aus 46 Yards, so dass beide Teams beim Stande von 7:9 in die Halbzeit gingen. Die zweite Halbzeit sollte nun komplett den Canes gehören. Gleich im ersten Drive konnte sich Matthias Eck mit einem 26 Yard Field Goal zum 12:9 ein wenig rehabilitieren. Nachdem die Lions erneut punten mussten, brauchte die Kieler Offense ganze sechs Spielzüge und 40 Yards, um durch einen 5 Yard Lauf des stark aufspielenden Sascha Gerasimov zum nächsten Touchdown zu kommen (PAT Eck). Das 19:7 schien die Braunschweiger nun doch aus dem Konzept zu bringen. Gleich der erste Pass von Dennis Zimmermann nach dem Kieler Touchdown wurde von Canes Neuzugang Rick Baunacke abgefangen und neun Yards zurückgetragen. Dieses Geschenk wussten die Canes Anfang des vierten Quarters zu nutzen und unter tatkräftiger Mithilfe der Braunschweiger Defense, die den Canes durch Penalties weitere leichte Yards ermöglichte, kam erneut Sascha Gerasimov zum Punkteerfolg, dieses Mal mit einem Lauf über 2 Yards (PAT Eck). Das 26:7 war zu diesem Zeitpunkt eine Vorentscheidung. Die Lions mussten nun alles auf eine Karte setzen und als es Quarterback Dennis Zimmermann nicht schaffte, einen vierten Versuch per Pass erfolgreich auszuspielen, kamen die Canes an der eigenen 49 Yard Line erneut in den Ballbesitz. Zwar mussten sich die Canes nach drei Spielzügen wieder vom Ball trennen, aber die Braunschweiger Offense wusste die Chance nicht zu nutzen. Defense Back Greg LeFever gelang die dritte Interception an diesem Tag. Er schnappte sich den abgefangenen Ball und trug ihn, unter dem Jubel des Publikums, bis an die Braunschweiger 2 Yard Line, von wo aus Estrus Crayton dann als Running Back seine Probleme hatte, einen weiteren Touchdown für die Canes zu erzielen (PAT Eck). Mit letztem Bemühen gelang den Lions kurz vor Ende des Spiels noch eine kleine Korrektur des Resultats, als Dennis Zimmermann seinen Wide Receiver Jörg Heckenbach über 5 Yards zum Touchdown fand (PAT Dölger).
Anschließend konnten die Canes unter dem Jubel des Publikums die Uhr herunterlaufen lassen. Das schier Unmögliche war geschafft. Den Canes gelang es, eine reguläre Saison, in der sie bereits viele Chancen und Punkte hatten liegen lassen, mit dem bestmöglichen Resultat zu beenden, nämlich dem ersten Tabellenplatz in der GFL Nord und der damit verbundenen Nordmeisterschaft. Den entsprechenden Pokal nahm Team Captain Christopher Rieck aus den Händen von AFVD-Sportdirektor Jan Bublitz entgegen.
Die anschließende Feier im Stadionrestaurant verdeutlichte die Dimension des Sieges und hier kommen dann auch wieder die Braunschweiger T-Shirts ins Spiel. Crush Kiel war gar keine so kreative Idee. Bereits 1996 tauchten die Braunschweig Lions, damals noch mit Head Coach Kent Anderson, erstmals in der GFL im Kieler Holstein-Stadion auf. Zwölf Jahre später nun trugen die Lions nun ungewollt dazu bei, Geschichte zu schreiben. Mit dem Spruch Crush Kiel begann einst die Serie der Auswärtssiege der Lions in Kiel, und mit dem gleichen Spruch wurde diese Serie nun zu Grabe getragen.
Während der Jubel im Stadion groß war, verwies Kiels Head Coach Kent Anderson bereits auf die kommende Aufgabe. Heute Abend werden wir den großen Erfolg feiern, aber schon Morgen früh beginnt die Vorbereitung auf Weinheim. Wir habe nur kurze Zeit, um uns auf diesen recht unbekannten Gegner vorzubereiten. Tatsächlich bleiben den Canes gerade einmal fünf Tage Zeit, um sich auf den Tabellenvierten der GFL Süd vorzubereiten, der am 6. September im Kieler Holstein-Stadion zu Gast sein wird.
Der Kartenvorverkauf für das Spiel beginnt am 1. September in der Zeit von 15-19 Uhr im Canes Office für die Dauerkartenbesitzer. Ab dem 2. September ist dann täglich von 15-18 Uhr der freie Vorverkauf im Canes Office. Karten können auch im freien Vorverkauf auch bei der Konzertkasse Streiber, über die Website der Kiel Baltic Hurricanes oder über die Tickethotline 01803-001925 (9 ct. pro Anruf) oder per Fax unter 0431 / 260 17 58 bestellt werden.
