Auf der Tailgate-Party, die unter dem Motto Beach Party stand, sorgten heiße Rhythmen und kühle Getränke für die entsprechende Stimmung. Cheerleader aus ganz Schleswig-Holstein sowie von den Hamburg Blue Devils zauberten eine eindrucksvolle Kulisse auf den Rasen des Holsteinstadions und bildeten einen tollen Tunnel für den Einlauf der Mannschaften. Schade, dass die Gäste diese tolle Szene gekonnt ignorierten und sich an dem Tunnel vorbeimogelten, was vom Kieler Publikum entsprechend gewürdigt wurde.
In der Kieler Umkleidekabine spielte sich zu diesem Zeitpunkt eine eindrucksvolle Szene ab. Das aktuelle Canes-Team traf auf mehr als fünfzig Ehemalige, die an diesem Tag das Homecoming 2008 der Canes Alumni feierten. Canes Head Coach Kent Anderson, sowie Alumni-Organisator Michael und der erste Head Coach in der Geschichte des ASC Kiel e.V., John Mahnen, richtete emotionale Worte an die Spieler. Es folgte der gemeinsame Einlauf der ehemaligen und aktuellen Canes ins Stadion.
Für das absolute Highlight des Rahmenprogrammes sorgte jedoch ASC Kiel-Mitglied Ralf Hoese über (!) dem Stadion. Hoese, Pilot beim Marinefliegergeschwader 5 in Kiel-Holtenau, und seine Crew schwebten mit einem der am Himmel über Ost- und Nordsee bekannten Sea King-Hubschrauber ein und ließ aus luftiger Höhe einem Rettungskorb herab, dem Kiels Maskottchen Big Al mit dem Spielball entstieg.
Das Spiel selbst begann, aufgrund des Andrangs an der Tageskasse vor dem Stadion, mit einer Viertelstunde Verspätung. Die Canes kamen zuerst in den Ballbesitz und bereits im ersten Spielzug jedoch ließen die Gäste aus Hamburg erkennen, wie ernst sie dieses Spiel nehmen würden. Defense Tackle Sven Röpcke brach ungeblockt durch die Kieler Offense Line und sackte Canes Quarterback Adrian Rainbow. Drei Spielzüge später mussten die Canes zum ersten Mal an diesem Tag punten und den Ball an die Blue Devils abgeben. Die Gäste konnten zwar mit den ersten Spielzügen Raumgewinn erzielen, doch nach vier Fehlpässen in Folge ging der Ball per Punt an die Canes zurück. Diese schienen nun endgültig aufgewacht zu sein und marschierten mit nur sieben Spielzügen 75 Yards über das Feld bis in die Hamburger Endzone. Die 6:0-Führung erzielte Wide Receiver Brandon Langston mir einem akrobatischen Passfang nach 3 Yard Pass von Adrian Rainbow. Der nachfolgende Extrapunkt wurde, inzwischen schon fast traditionell in Kiel, vergeben.
Was nach dem Touchdown der Canes bis zur Halbzeit folgte, waren insgesamt sieben Ballbesitze, die kein Team in Punkte umsetzen konnte. Die Blue Devils verließen sich an diesem Tag primär auf das Passspiel und häufig standen vier Wide Receiver auf dem Platz. Quarterback Josh Brehm kam in der Endabrechnung auf 54 Passversuche, von denen er 29 anbringen konnte. Auf Kieler Seite kam Adrian Rainbow bei 20 Versuchen auf 15 erfolgreiche Pässe. Betrachtet man die Statistik, so hatten die Blue Devils wohl einen gewissen Vorteil an diesem Tag. Aber die Statistik ist halt immer nur die halbe Wahrheit. Die Canes Defense ließ an diesem Tag nur wenige Big Plays. Über die Kurz- und Mitteldistanz kamen die Devils zu Erfolgen, aber es reichte nur selten für längere Pässe. Seinen besten Tag im Canes-Trikot hatte ausgerechnet ein Hamburger erwischt. Linebacker Neil Sintim-Aboagye, ansonsten Starter als Outside Linebacker, vertrat an diesem Tag Middle Linebacker John Van Look auf der Position des Middle Linebackers. Das Fehlen von John in diesem Spiel hat uns schon etwas nervös gemacht, berichtete Canes Head Coach Kent Anderson nach dem Spiel. John ist eigentlich kaum zu ersetzen, aber Neil hat es an diesem Tag eindrucksvoll geschafft. Der ehemalige Spieler der Hamburg Eagles kam an diesem Tag auf insgesamt 15 Tackles, von denen viele unter dem Begriff Highlights einzusortieren sind. Neben Sintim-Aboagye konnten sich auch Defense End Christopher Rieck, Linebacker Robert Koster und Defense Back Greg LeFever, der extra für das Spiel eingereist war, mit gekonnten Aktionen auszeichnen. In der Offense kam erstmals in dieser Saison Running Back Sascha Gerasimov zum Einsatz.
Nach einem punktelosen zweiten Quarter kamen beide Teams hochmotiviert aus den Kabinen. Die Blue Devils bekamen als Erste den Ball und benötigten neuen Spielzüge, um durch einen 19 Yard Touchdown-Pass von Josh Brehm auf Wide Receiver Philipp Schulz auszugleichen. Den anschließenden Extrapunkt von Kicker Kai-Philip Stieff blockte das Kieler Special Team. Den anschließenden Kick Off trug Kiels Estrus Crayton bis an die 35 Yard Linie der Hamburger zurück und mit Hilfe eines Fouls des Hamburger Kick Off Teams begannen die Canes an der 35 Yard Line. Es brauchte nur drei Spielzüge, bis die Canes die Führung zurückerobert hatten. Bei einem 3. Versuch und neun Yards zu gehen war Adrian Rainbow seinen zweiten Touchdown-Pass des Tages, dieses Mal über 29 Yards auf Estrus Crayton. Die anschließende Two-Point-Conversion schlug fehl.
Den nächsten Ballbesitz der Hamburger beendete Canes Cornerback Riadh Arfaoui nach fünf Spielzügen mit einer Interception an der Canes 24 Yard Line. Dieser Ballbesitz brachte den Hausherren jedoch nichts ein und so mussten sie vier Spielzüge später wieder punten. Die Hamburger hingegen konnten den Ball in Richtung Kieler Endzone bewegen, es reichte jedoch am Ende nur zu einem Field Goal durch Kicker Kai-Philip Stieff.
Im vierten Quarter überschlugen sich dann die Ereignisse. Zunächst nutzten die Canes ihren Ballbesitz. Ganze vier Spielzüge brauchten die Mannen um Quarterback Adrian Rainbow, um 69 Yards zu überbrücken. Der finale Pass fand über 35 Yards sein Ziel erneut in Wide Receiver Brandon Langston. Ein weiterer Versuch einer 2-Point-Conversion scheiterte, so dass es zunächst 18:9 stand. Die Hamburg Blue Devils ließen sich jedoch von den weiteren Kieler Punkten nicht verunsichern. Bereits im nächsten Ballbesitz schlugen sie zurück. Nach mehreren Pässen von Josh Brehm war es Hamburgs Allzweckwaffe Jared Dumm, der mit einem kraftvollen Lauf über 9 Yards (PAT Stieff) den Anschluss zum 18:16 herstellte. Dem Publikum im Kieler Holsteinstadion blieb kaum Zeit, sich an den neuen Punktestand zu gewöhnen. Der erste Spielzug der Canes nach dem Kick Off war ein besonderes Schnäppchen: Estrus Crayton übernahm den Ball von Quarterback Adrian Rainbow und warf einen Pass auf den vollkommen freistehenden Brandon Langston, der das Lederei 63 Yards weit in die Hamburger Endzone trug. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte bei man einem Hamburger vielleicht die Überlegung aufgekommen sein, ob es klug war, diesen Ausnahme-Spieler nicht weiter verpflichtet zu haben. Unter dem frenetischen Jubel der Kieler Fans erzielte Canes Kicker Timo Gross anschließend den fälligen Extrapunkt.
Den nächsten Hamburger Ballbesitz schien die Kieler Defense eigentlich schon gestoppt zu haben. Doch ein fataler Fehler des Kieler Special Teams, dass Hamburgs Kicker Stieff beim Punt irregulär blockte, führte zu einem automatischen First Down der Devils. Diese nutzten die Gelegenheit und kamen wenig später durch einen 11 Yard Pass von Josh Brehm auf Jared Dumm (PAT Stieff) zum 25:23 Anschluss.
Die Canes scheiterten im nächsten Ballbesitz mit dem Versuch, möglichst viel Zeit von der Spieluhr zu nehmen. Mit nur noch knapp zwei Minuten zu spielen kamen die Devils letztmalig in Ballbesitz. Zu diesem Zeitpunkt hatte sogar das Wetter über dem Holsteinstadion ein Einsehen mit den Canes. Einsetzender Regen machte es der Hamburger Offense unmöglich, ein schnelles Passspiel aufzuziehen. Quarterback Josh Brehm brachte noch einen letzten Pass auf Running Back Waldemar Weizel an, aber der zuvor bereits erwähnte Neil Sintim-Aboagye beendete das Spiel mit einem Tackle an Weizel.
Der Jubel nach dem Spiel war groß. War es doch eine Premiere in der Geschichte der Canes, das man beide Saisonspiele gegen die Hamburg Blue Devils gewinnen konnte. Diese brachten sich durch viele fallengelassene Bälle und Strafen um den möglichen Erfolg, doch ein großes Lob gebührt der Kieler Defense, die wieder eine gute Leistung zeigte und auch der Kieler Offense, die in den entscheidenden Momenten zur Stelle war. Mit diesem Sieg verfestigen die Canes ihren zweiten Tabellenplatz und machen sich nun in den kommenden beiden Wochen auf zu Auswärtsspielen in Dresden und Berlin.
