Die Defense der Canes zeigte sich in diesem Spiel stark verbessert im Vergleich zu den letzten beiden Spielen gegen Hamburg und Dresden. Von der ersten Sekunde des Spieles wurde jeder Angriff der Adler im Keim erstickt. Positiv machte sich natürlich die Rückkehr des etatmäßigen Middle Linebacker John van Look bemerkbar, der in den letzten zwei Spielen schmerzlich vermisst wurde. Aber auch andere Spieler zeigten sich stark verbessert und trugen somit zu einer starken Gesamtleistung der Defense bei. Als Neil Sintim verletzt ausscheiden musste, übernahm Nico Zindel seinen Platz als Linebacker und reihte sich mit einer starken und abgeklärten Leistung in die Defense ein. Robert Koster krönte seine Leistung mit zwei Interceptions und bemerkte nach dem Spiel mit einem Lachen:Ich werde in dieser Woche noch an meinen Returnfähigkeiten arbeiten, damit ich gegen die Lions auch mal einen Touchdown machen kann.
Die Geschichte des Spieles ist schnell erzählt. Die Canes bekamen den Ball als Erstes und arbeiteten sich bis tief in die Berliner Hälfte kontinuierlich über das Feld. An der 20-Yardline der Adler strandeten dann aber die Angriffsbemühungen und der Kicker diesmal in Person von Matthias Eck betrat das Feld. Der Kick verfehlt das Ziel und die Adler übernahmen. Aber auch für die Adler ging in der Offense an diesem Abend nicht viel. Vereinzelte vollständige Pässe, standen für QB Brett Hall auch drei Interceptions gegenüber. So wurden im Verlauf der ersten Halbzeit auf beiden Seiten fröhlich Punts ausgetauscht. Zwar hatten die Canes aus diesem Puntfestival heraus häufig eine gute Feldposition, aber QB Adrian Rainbow verstand es mit seiner Offense nicht, daraus Kapital in Form von Punkten zu machen. Konsequenterweise ging es mit einem 0:0 in die Halbzeitpause.
Was auch immer die Canes sich in der Halbzeitpause und bei dem folgenden Kickoff vorgenommen hatten, der ein oder andere Spieler hatte offensichtlich nicht zugehört. Den Adler gelang es, durch M. Belton den Return bis tief in die Canes-Hälfte zu returnieren. Ein Play später stand es 7:0 für die Adler. Schlechter konnte man kaum in die 2. Halbzeit starten. Die Canes waren damit mächtig unter Druck, durfte man dieses Spiel doch auf keinen Fall verlieren, um noch eine Chance auf ein Playoffheimspiel zu wahren.
Damit war die Offense stark gefordert, doch nennenswerter Raumgewinn wurde kaum erzielt. Ausgestattet u.a. mit Spielern vom Kaliber Crayton, Langston, Peter, Hanselmann, Gerasimov gelang der Canes-Offense so gut wie nichts. Immer wieder musste nach drei Versuchen Punter Timo Gross aufs Feld. Dieser verschaffte der Defense durch exzellente Punts immerhin genügend Raum, den man verteidigen konnte. Trotzdem arbeiteten sich die Adler im dritten Quarter erneut auf Fieldgoalreichweite heran. Der zuverlässige Kicker der Adler, Benjamin Scharweit, betrat das Feld und hätte wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt das Spiel entscheiden können. Der Snap beim Kick missglückte jedoch und der Kicker, beim Versuch noch etwas Brauchbares aus diesem broken Play zu machen, gestoppt.
Mitte des vierten Quarters schafften es die Canes dann endlich einmal, einige Plays in Folge zu exekutieren und befanden sich in der Redzone der Adler. Dominik Hanselmann war es dann vorbehalten, die letzten Meter in die Berliner Endzone zu überbrücken. Zum Ausgleich fehlte nur noch ein PAT. Doch wer die Kieler in den letzten Wochen begleitet hatte, dem standen in diesem Moment die Schweißperlen auf der Stirn. Verschossene PATs waren an der Tagesordnung und wahrscheinlich deswegen entschied sich HC Kent Anderson für eine 2-Point-Conversion. Wir werden wohl nie erfahren wie diese Entscheidung ausgegangen wäre, denn ein Fehlstart der Kieler Offense führte zur Entscheidung, doch den Kicker aufs Feld zu schicken. Nachdem sich im Laufe der Saison Linn, Bohm und Gross am Kickinggame versucht hatten, sollte es nun Matthias Eck richten. Als hätte er in seinem Leben bisher nichts anderes gemacht, verwandelte er den PAT sicher. Wohl selten wurde ein PAT von Canesfans so bejubelt wie an diesem Abend in Berlin.
Doch noch war genügend Zeit auf der Uhr, um für beide Teams die siegbringenden Punkte zu erzielen. Am Willen fehlte es beiden Seiten nicht, aber mit Interceptions auf beiden Seiten wurden die Chancen leichtfertig vergeben. Die letzte Chance das Spiel zu entscheiden, sollte den Adlern vorbehalten bleiben. Aber die Kieler Defense ließ keinen Raumgewinn mehr zu. Im Gegenteil, man trieb die Adler Offense tief in die eigene Hälfte zurück, so dass sich die Adler entschieden die Uhr auslaufen zu lassen und lieber mit dem Remis zu leben.
Damit kommt es nun am kommenden Wochenende zum ultimativen Showdown in der GFL Nord, wenn die Canes im heimischen Holsteinstadion den Tabellenführer und amtierenden Deutsche Meister Braunschweig Lions empfangen.
Die Ausgangssituation ist für die Canes dabei folgende:
- Sieg Canes mit 3 Punkten oder mehr = Meister GFL Nord und Playoffheimspiel
- Unentschieden oder Niederlage (bei wahrscheinlich gleichzeitigem Sieg der Adler im Heimspiel gegen Köln) = Platz 3 und Playoffspiel in Stuttgart
- Sieg mit weniger als 3 Punkte
