Dem Meister reichen sechs starke Minuten

Bis sechs Minuten vor der Pause sah es gut aus für die Wiesbaden Phantoms beim amtierenden deutschen Meister aus Schwäbisch Hall. Richtig gut und weitaus aus besser, als man sich im Vorfeld erhoffen konnte. Zwar konterte der Titelträger der Jahre 2011 und 2012 die 19:14 Führung der Phantoms und ging seinerseits mit 20:19 in Führung, aber der offene Schlagabtausch zwischen dem Wiesbadener Underdog und dem gastgebenden Favoriten schien eine Fortsetzung zu finden.

Thomas Hogue, der zuvor schon den ersten Touchdown seiner Phantoms zum 7:6 Anschluss erzielen konnte, trug den Ball mit einem fulminanten Lauf bis kurz vor die Unicorns-Endzone. Ein erneuter Führungswechsel lag in der Luft.

Doch dann nahm das Schicksal in Form eines Missverständnisses zwischen Spielmacher Frank Grimm und Ballträger Kenny Sharp seinen Lauf. Ballverlust bei der Übergabe des Spielgeräts und die Unicorns eroberten sich das Angriffsrecht.

„In dieser Situation haben wir das Spiel zwar nicht verloren, aber das Momentum kippte. Es war wie ein Weckruf für das Team von Siggi Gehrke, das uns in den darauffolgenden Minuten den Unterschied zwischen uns und einem Titelkandidaten aufgezeigt hat“, sah Sven Gloss im Anschluss an das Spiel auf diese entscheidenden sechs Minuten des Spiels zurück. Nicht nur, dass US-Quarterback Ryan Taggart sein Team postwendend zum 26:19 dirigierte, auch in den verbleibenden Minuten bis zur Halbzeit konnte die Defense der Phantoms die Gastgeber kaum noch stoppen. Begünstigt von einem weiteren Ballverlust der Phantoms zogen die Haller bis zur Pause auf 40:19 davon, ohne dass den dennoch tapfer dagegenhaltenden Gästen selbst noch Zählbares gelang.

Bis zum folgenreichen Ballverlust wussten die Phantoms nicht nur durch die beiden weiteren Touchdowns durch Willie Milhouse zu gefallen, darunter ein spektakulärer Lauf über 69 Yards Distanz, sondern auch durch ihre mutige, kampfbetonte Spielweise.

„Wir haben in der zweiten Halbzeit nicht aufgegeben, das war wichtig und hat mir sehr gut gefallen. Natürlich hätten wir diese sechs Minuten gerne zurück, um die wenigen Fehler nicht nochmal zu machen, die uns letztlich das Spiel gekostet haben. Aber die Haller haben das schon souverän und ihm Stil eines Meisters gespielt. Unsere Vorlagen konsequent verwertet. Das muss man auch anerkennen“. (Sven Gloss)

Souverän ging es für die Heimmannschaft im dritten Spielviertel weiter. Nachdem sie ihre Führung zunächst auf 50:19 ausbauen konnten, durften die Mannen um Frank Grimm wieder ran. Robin Bräuer glänzte im letzten Spielviertel mit zwei Touchdownfängen, während die Gastgeber ihrerseits nochmal scoren konnten und letztlich einen verdienten, wenngleich aus Sicht von Sven Gloss etwas zu hoch ausgefallenen 56:33 Sieg feiern durften. „Man muss nichts schönreden, uns aber auch nicht schlechter stellen, als wir es tatsächlich waren. Wir haben über weite Strecken der Begegnung richtig gut gespielt. Das sollte uns weiteres Selbstvertrauen für die schweren kommenden Wochen geben“, fiel das abschließende Fazit von Gloss aus.  

Diese angesprochenen schweren Wochen haben es allerdings in sich. Denn vor dem schon am 22. Juni im Helmut-Schön-Sportpark stattfindenden Rückspiel gegen die Unicorns steht am Sonntag das Auswärtsspiel bei den Marburg Mercenaries auf dem Spielplan. Und diese Mercenaries haben die Schwäbisch Hall Unicorns in der Vorwoche unter dramatischen Umständen besiegt und stehen, nachdem sie auch ihr Spiel in Saarbrücken gewinnen konnten, noch ungeschlagen an der Tabellenspitze der GFL Süd.