Dresden vs. Mönchengladbach – Der Blick ins königliche Lazarett

Football wird viel sagend auch Rasenschach genannt. Über Monate, teilweise Jahre installieren nicht nur die Mannschaften der internationalen Profiligen ihre Spielsysteme. Auch in der GFL nehmen die Playbooks und Gameplans eine nicht wegzudenkende Rolle ein.

„Wir studieren über Monate Erfolg versprechende Spielzüge und Systeme ein, immer angepasst auf die Fähigkeiten und Stärken der jeweiligen Spieler einer Formation. Ziel ist es stets, die Vorzüge eines jeden Athleten optimal aufs Feld zu bringen. Sicherlich kennen alle im Team auch die Laufwege und Aufgaben ihrer Kameraden. Doch nicht jeder Akteur lässt sich einfach ersetzen. Je weniger Spieler einem Trainer zur Verfügung stehen, umso limitierter sind seine Möglichkeiten auf dem Feld. Brechen zu viele Stammspieler und Leistungsträger weg, bleiben am Ende nur Basisspielzüge und mit einem hohen Risiko behaftete Varianten übrig“, erklärt Gary Spielbuehler. Für die kommende Partie gegen die Mönchengladbach Mavericks (Heinz-Steyer-Stadion, Beginn: 14:30 Uhr) am Sonnabend lässt dies nichts Gutes ahnen. Mittlerweile fehlen sieben Säulen des Dresdner Spiels verletzungsbedingt. Zudem weilt die Leitfigur der königlichen Defensive inzwischen bei seiner kranken Mutter in den Staaten. Und gerade jetzt geht es gegen eines der derzeit besten Teams der GFL.

 

Fit und gefährlich präsentieren sich in diesen Monaten die Mönchengladbach Mavericks. Eine bärenstarke Defensive, die regelmäßig auch selbst für Punkte sorgt, deckt einer nicht minder begabten Offensive den Rücken. „Egal welche Formation der Mavericks auf dem Feld steht, es sind stets Nationalspieler dabei. Insgesamt neun Gladbacher finden sich im derzeitigen 75er Kader der Nationalmannschaft für die diesjährige Football-Weltmeisterschaft, genau so viele wie der amtierende Deutsche Meister aus Kiel stellt. Das sagt bereits viel über die Qualität dieser Mannschaft aus. Ich freue mich auf das Spiel und einen tollen Gegner. Doch wir sind uns auch bewusst, was für ein schwerer Brocken nun vor uns liegt“, so Dresdens Cheftrainer. Nicht nur die Gladbacher bereiten dabei Gary Spielbuehler Kopfzerbrechen. Vor allem die eigene Situation könnte derzeit kaum schlimmer sein. „Wir haben Woche für Woche immer neue Spieler verloren. Mit Radko Zoller fing alles an. Inzwischen fehlen uns sieben Stammspieler, mussten wir zusätzlich einen Abgang eines Leistungsträgers verkraften. Keine unserer vor der Saison einstudierten Formationen spielt derzeit in Bestbesetzung. Manche Spielsysteme mussten wir inzwischen sogar verwerfen, da uns das nötige Personal fehlt.“

 

Die Liste der Verletzten wächst unaufhörlich. Marcel Donner (Linebacker) fehlt, wie Radko Zoller (Widereceiver) auch, mit einem kaputten Kreuzband. Michel Fischer (Offense Line) fällt, wie Adrian McCovy, aufgrund einer schweren Bandverletzung in der Schulter aus. Quarterback Tyler Graunke brach sich im Hinspiel gegen Gladbach den Daumen. Ersatzquarterback und Widereceiver Eric Seidel erwischte es nur ein Spiel später und gegen Düsseldorf. Ein verletztes Innenband am Knie macht seinen Einsatz derzeit undenkbar. Mit Gunnar Knöckel (Widereceiver) fällt schließlich der dritte Passangreifer im Team von Spielbuehler aus. Nach dem familiär bedingten Abgang von Patrick O’Neal erschließt sich die ganze Dramatik der Situation. Sowohl das bisherige Herz der Defensive mit seinen drei Linebacker McCovy, Donner und O’Neal, als auch ein erheblicher Teil der Dresdner Offensive fehlen. Ohne etatmäßigen Quarterback in der Hinterhand, übernimmt nun Widereceiver Robert Sommer notgedrungen die Führung seines Mannschaftsteils. „Robert fehlt uns damit an der Seite von Jan Hilgenfeldt sowie Sebastian Krech. Die beiden dürfen sich auf eine umso engere Bewachung und einige der besten Verteidiger der Liga freuen“, prognostiziert Spielbuehler. Keine einfache Ausgangslage, stehen die Monarchs doch auch so schon mit dem Rücken zur Wand. Es wird Zeit, dass sich die Reihen in Dresdens Lazarett nun lichten. Allein die Schwere aller bisherigen Verletzungen lässt dies bezweifeln. „Unsere medizinische Abteilung arbeitet am Anschlag. Drücken wir die Daumen, dass gegen Gladbach alle unverletzt bleiben.“