Als Außenseiter, dem man durchaus Siegchancen eingeräumt hatte, waren die Unicorns nach Braunschweig gereist. Dass es am Ende nicht für den Sieg sondern nur für ein achtbares Ergebnis gerecht hat, lag vor allem daran, dass die Haller Offense nur selten in der Lage war, sich zwingend gegen die Braunschweiger Verteidiger durchzusetzen.
"Unser Angriff hat den Ball insgesamt nicht zu meiner Zufriedenheit bewegt", sagte Halls Headcoach Siegfried Gehrke nach dem Spiel. Er musste mit ansehen, wie seine Offense von Anfang an mit dem enormen Druck der Lions-Defense zu kämpfen hatte. Den Gastgebern kam dabei besonders ihre körperliche Überlegenheit auf den Line-Positionen zugute. Hinzu kam, dass Halls Spielmacher Ira Vandever noch an seiner Verletzung aus dem Viertelfinale laborierte, was ihm besonders bei Läufen deutlich anzumerken war. Die Haller Defense zeigte gegen die stark besetzte Lions-Offense hingegen eine gute Partie.
Die Braunschweiger verfielen nicht der Versuchung, die Unicorns zu unterschätzen. Zum einen war dies an der Tatsache zu erkennen, dass sich die Lions in der Woche vor dem Spiel gegen Hall mit Doug Seidensticker und Mike Aljancic noch zwei starke US-Spieler haben einfliegen lassen. Zum anderen gaben sie am Samstag eine sehr konzentrierte Vorstellung.
So auch kurz vor der Halbzeitpause. Zehn Sekunden vor dem Gang in die Kabinen erzielten sie ihren dritten Touchdown zur 19:0-Führung. Für die Unicorns, die bis dahin Dank der guten Defense mit ihren Gastgebern Schritt halten konnten, kam dieser Dämpfer zu dem aus psychologischer Sicht denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Drei Touchdowns Rückstand als Hypothek in die zweite Hälfte mitnehmen zu müssen stellte eine sehr große Belastung dar.
Der Touchdown, den die TSGler am Samstag in Braunschweig erzielen konnten, ging im dritten Viertel auf das Konto von Max Seroogy, der einen 20-Yards-Pass von Ira Vandever zum 6:26 in der Endzone fing. Kurios der Extrapunktversuch: Der Kick von Hassan Rashid wurde von Braunschweig geblockt, den freien Ball erkämpfte sich Rashid aber selbst wieder und trug ihn als verwandelte Conversion zum 8:26 über die Goalline.
"Braunschweig hat eine sehr gute Mannschaft mit viel Talent, die heute verdient gewonnen hat", sagte Siegfried Gehrke auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Durch das schnelle Spielsystem unseres Angriffs muss die Defense sehr lange auf dem Platz stehen, wenn es in der Offense wie heute mal nicht so gut läuft. Unter diesen Bedingungen hat unsere Defense ein sehr gutes Spiel gezeigt." Lions-Coach Kent Anderson zollte den Hallern großen Respekt: "Das Ergebnis täuscht. Es war alles andere als einfach gegen die Unicorns zu gewinnen. Die haben hier bis zum Schluss gekämpft."
Für die Unicorns endete mit diesem Spiel eine erfolgreiche Bundesliga-Saison. Mit dem Erreichen des Halbfinals hat man gegenüber der Vorsaison wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Man darf sich zu den vier besten Football-Mannschaften Deutschlands zählen, bis ganz nach oben ist aber noch Luft. Luft für weitere Schritte im nächsten Jahr.
Viertel-Ergebnisse:
1. Viertel: 6:0
2. Viertel: 13:0
3. Viertel: 7:8
4. Viertel: 7:0
Gesamt: 33:8
Zuschauer: 6.887
Alle Punkte:
6:0 Eric Yuma 6-Yards-Pass von Adrian Rainbow
12:0 Marcel Duft 5-Yards-Pass von Adrian Rainbow
19:0 Marcel Duft 4-Yards-Pass von Adrian Rainbow (PAT Steffen
Dölger)
26:0 Sascha Gerasimov 21-Yards-Lauf (PAT Marco Rothaar)
26:8 Max Seroogy 20-Yards-Pass von Ira Vandever (CON Hassan Rashid)
33:8 Kelvin Love 14-Yards-Pass von Adrian Rainbow (PAT Steffen
Dölger)
