Das Spiel begann dann jedoch für die Kieler alles andere als optimal. Vor knapp 5.000 Zuschauern, einer Kulisse, die gerade in Braunschweig so gar nicht zu einem Duell zweier Rivalen passt, erwischten die Hausherren den besseren Start. Zwar kam die Kieler Offense um Quarterback Adrian Rainbow zunächst in Ballbesitz, doch war es eben jener Adrian Rainbow, der bei einem Quarterback Sack von Braunschweigs Christian von Einem den Ball verlor, den der einheimische Verteidiger selbst aufnehmen und zu einem Touchdown zurücktragen konnte. Obwohl Rainbow beim Sack sichtlich durchgeschüttelt wurde, ließen sich die Canes von dem verpatzten Beginn nicht beeindrucken. Nach dem Kick Off der Lions startete die Kieler Offense von der eigenen 35 Yard Line und überbrückte das Feld mit insgesamt zehn Spielzügen. Key Play waren hierbei ein 11 Yard Lauf von Estrus Crayton bei einem vierten Versuch mit noch einem Yard zu gehen an Braunschweigs 43 Yard Line. Das Risiko des Coaching Staff zahlte sich also aus. Kurze Zeit später erlief Brandon Langston die noch fehlenden 18 Yard in die Endzone und mit dem Extrapunkt von Kicker Sven Linn glichen die Canes den Spielstand zum 7:7 aus.
Im nächsten Drive des ersten Quarters kam nun erstmals Kiels Defense auf den Platz. Ganze sieben Spielzüge der Braunschweiger ließen die Mannen um Middle Linebacker John Van Look zu, bevor die Gastgeber punten mussten. Nicht gewertet wurde eine Interception von Cornerback Lennie Greene, der mit dem Ball erst im Aus den Boden berührte.
Zum Beginn des zweiten Quarters gab auch die Canes Offense den Ball per Punt schnell wieder ab, die Kieler Defense konnte jedoch zunächst erneut die Gastgeber stoppen. Dieses Mal war es Defense Back Pascal Ritzheim, den den Braunschweiger Angriff mit einer Interception an der Kieler Goalline stoppte. Dieser Spielzug war ein erster kleiner Knackpunkte für die Canes. Während fast alle Anwesenden im Stadion davon ausgingen, dass der Ball, nachdem Ritzheim mit der Interception in der eigenen Endzone zu Boden kam, nun als Touchback an der 20 Yard Line platziert würde, entschieden die Schiedsrichter darauf, dass der Spielzug an Kiels 1 Yard Line beendet gewesen sei. Dort kam nun also die Canes Offense in Ballbesitz und erlebte ein Desaster, als Braunschweigs Defense Ballträger Estrus Crayton in der Kieler Endzone für einen Safety und damit verbunden, für 2 Puntke zugunsten der Hausherren zu Fall bringen konnte. Wie des öfteren an diesem Tag, mochte man die Entscheidung der Schiedsrichter in die eine oder andere Richtung werten, schlussendlich bleibt es dabei, dass es sich hierbei um Tatsachenentscheidungen handelt, die nicht zurückgenommen werden.
Die Canes zeigten sich von dem Punktverlust beeindruckt und die Braunschweiger sahen nun die Möglichkeit, mit dem auf den Safety folgenden Ballbesitz nachzulegen. Sieben Spielzüge und 53 Yards später erreichte Running Back Jabari Johnson die Kieler Endzone zum Halbzeitstand von 16:7 aus Sicht der Hausherren. Zwar hatte das Kieler Return-Team beim anschließenden Kick Off der Lions noch die Möglichkeit, den Rückstand zu verkürzen, aber Kiels Brandon Langston wurde nach einem 62 Yard Lauf vom letzten Mann vor der Braunschweiger Endzone, Lions Kicker Steffen Dölger, unsauber zu Fall gebracht, was den Lions zwar eine Strafe einbrachte, taktisch geschickt jedoch den Touchdown verhinderte. Die gute Feldposition konnten die Canes nicht verwerten, als Kicker Sven Linn ein Field Goal aus knapp 30 Yard Entfernung nicht verwandeln konnte.
In der Halbzeitpause zeigten sich die Canes kämpferisch. Der Spielstand war durchaus nicht hoffnungslos und die Defense der Kieler hatte lediglich sieben Punkte zugelassen.
Das dritte Quarter begann verheißungsvoll. Die Defense der Canes stoppte die Lions Offense erneut und Adrian Rainbow und seine Offense gingen erneut auf Punktejagd. Ganze fünf Spielzüge, darunter ein 48 Yard Pass von Rainbow auf Estrus Crayton, brauchten die Canes, bis Rainbow erneut Crayton, dieses Mal über 21 Yards, zum Anschluss-Touchdown fand. Das 14:16 schien den Kielern Auftrieb zu geben und die Lions zu lähmen. Braunschweigs Vorzeigeathlet Kelvin Love verlor beim anschließenden Kick Off Return den Ball, der von Timo Gross für die Canes erobert werden konnte. Startend von der Braunschweiger 33 Yard Line, konnte sich die Kieler Offense jedoch nicht durchsetzen und so wurde Kicker Sven Linn erneut zum Field Goal auf den Platz geschickt. Ähnlich wie bei der Interception von Pascal Ritzheim streiten sich nun im Nachhinein die Geister über das, was folgte. Der Field Goal-Versuch schien erfolgreich zu sein und umso größer war die Verwunderung im Stadion, als die Schiedsrichter den Versuch für ungültig erklärten. Frust und Enttäuschung ob zeichnete sich auf den Gesichtern in der Kieler Teamzone ob dieser Entscheidung ab.
Die Moral des Kieler Teams zeigte sich jedoch ungebrochen. Die Defense stoppte den Angriff der Lions erneut und Anfang des vierten Quarters kamen die Canes erneut mit ihrer Offense in den Ballbesitz. Mittels eines 34 Yard Laufes von Brandon Langston und zweier 15 Yard-Strafen der Braunschweiger Defense kamen die Canes zwar bis an die Braunschweiger 19 Yard Line, aber hier war erneut Endstation. Das Drama nahm für die Canes seinen Lauf, als Kicker Linn auch das dritte Field Goal an diesem Tag nicht verwandelt konnte. Auf Kieler Seite ließ sich auch niemand davon trösten, dass auch der Braunschweiger Kicker im nächsten Drive den Ball am Tor vorbeisetzte. Den letzten Ballbesitz beendete Quarterback Adrian Rainbow mit einem verzweifelten Pass, der von den Lions abgefangen werden konnte, worauf die Hausherren die Spieluhr herunterlaufen ließen. Die anschließende Freude der Braunschweiger Spieler, Coaches und Fans zeigte deutlich, dass es an diesem Tag um mehr ging, als um einen einfachen Sieg in der regulären Saison, und auch die Gesichter der Kieler zeugten von der Bedeutung des Spiels.
Trotz der Niederlage konnten die Canes mit ihrer Leistung auf weiter Strecke zufrieden sein. Der amtierende Deutsche Meister konnte mit seiner Offense lediglich sieben Punkte erzielen und Starspieler Kelvin Love kam auf ganze drei Passfänge für 26 Yards. Insbesondere die Kieler Defense, in der mit Neil Sintim-Aboagye, Jens Thomsen, Sven Gurka und Ole Eigenbrodt wichtige Spieler fehlten, hinterließ einen starken Eindruck. Allen voran Defense End Chris Rieck, der einem Quarterback Sack und drei Tackle für insgesamt 12 Yard Raumverlust verbuchen konnte. Ebenso zu nennen ist Linebacker John Van Look, dem 10 Tackle gelangen. Mit Van Look und Nico Zindel erhöhte sich jedoch auch die Verletztenliste der Canes. Ob Beide am kommenden Wochenende beim Heimspiel gegen die Berlin Adler einsatzbereit sein werden, wird sich im Laufe der Woche herausstellen.
Kiels Head Coach Kent Anderson beglückwünschte seinen Gegenüber, Lions Head Coach Javier Cook auf der anschließenden Pressekonferenz zum Sieg und gestand die knappe Niederlage seines Teams unumwunden ein. Wir hatten heute die Chance, hier einen großen Sieg zu feiern. Dazu muss man aber im richtigen Moment die wichtigen Plays machen. Braunschweig hat dies umgesetzt, wir nicht. Wir haben heute neun vermeidbare Punkte durch die Braunschweiger Defense kassiert und selbst neun Punkte auf dem Feld liegen gelassen. Das ist sehr ärgerlich und meine Spieler sind natürlich enttäuscht, aber die Saison 2008 ist noch lang. Das Spiel heute hat keine größere Bedeutung als jedes andere Spiel in der regulären Saison. Nach diesem Spieltag werden wir immer noch Tabellenführer sein und schon am nächsten Samstag haben wir gegen die Berlin Adler die Möglichkeit zu beweisen, dass wir zurecht an der Tabellenspitze stehen.
