Für McCants ist nun "jedes Spiel ein Play-off-Spiel"

Das älteste und traditionsreichste Duell der German Football League bedeutet gleichzeitig das nächste Spitzenspiel für die Düsseldorf Panther. Eine Woche nach dem im Endspurt mit 44:43 gewonnenen Krimi gegen Spitzenreiter Kiel Baltic Hurricanes erwarten die Rheinländer am Samstag (Kick-off: 18 Uhr, Partybeginn: 16 Uhr) den Tabellenzweiten Berlin Adler im Benrather ‚Panther-Gehege‘. Mit einem Sieg würden die Rheinländer ihrerseits auf Rang zwei hinter die `Canes klettern und hätten vor der – lediglich drei Wochen kurzen - Sommerpause eine gute Ausgangsposition im Rennen um Platz zwei, der in der Endabrechnung ein Heimspiel im Play-off-Viertelfinale bedeuten würde.

Doch vor solchen Überlegungen steht erst einmal die schwere Aufgabe gegen die (nach kassierten Punkten) beste Deckung der gesamten GFL Nord. Zum Vergleich: Die Adler haben im Schnitt weniger als 18 Zähler hinnehmen müssen, die Panther mehr als 31, also zwei Touchdowns mehr pro Spiel. „Sie sind gut, sie wissen, wie man gewinnt“, warnt David McCants seine Mit-Panther vor den Berlinern, die er 2009 noch selbst als überragender Runningback und wertvollster Spieler des Finales zum Germanbowl-Triumph führte. „Jeder von uns muss voll konzentriert bleiben, wir dürfen diese Jungs auf keinen Fall unterschätzen.“

 

Bei ihrer 21:42-Niederlage gegen Kiel vor zwei Wochen, ihrer bisher einzigen Saison-Niederlage in der GFL, musste Adler-Cheftrainer Wanja Müller auf ein Dutzend verletzter Stammspieler verzichten, inzwischen sieht die Personalsituation schon wieder wesentlich freundlicher aus. „Die Pause hat uns sehr gut getan, und einige der ausgefallenen Spieler sind nun wieder an Bord“, sagt Müller, der erst als so genannter ‚National Quarterback‘ bei Rhein Fire und nach eine schweren Verletzung von 2004 bis 2007 als Assistenzcoach bei den Cologne Centurions und Berlin Thunder in der NFL Europa sowie bei den Kansas City Chiefs in der NFL fünf Jahre Profi-Erfahrung als Spieler und Coach sammelte und zudem seit dem vergangenen Jahr noch als Frauen-Bundestrainer fungiert. Wanjas Kampfansage an die Raubkatzen: „Die Jungs sind heiß und wollen gewinnen. Wenn man sich umhört, dann zählen uns nicht mehr viele zu den Topmannschaften in der GFL. Wir werden alles daran setzen, das Gegenteil zu beweisen.“

 

Dabei setzen die ‚Raubvögel‘ – anders als ihrer Name es vermute ließe – in ihrem Angriffsspiel mehr auf das bodenständige Laufspiel denn auf das Passspiel durch die Luft. Noch vor dem 23-jährigen Berliner ‚Eigengewächs‘ und Kraftpaket Clemens Niepagen ist Quarterback Alex Good effektivster Ballträger der Adler. Der 25-Jährige ist erst in diesem Frühjahr vom Carson-Newman College – das Football-Team dort heißt ebenfalls Eagles, also Adler - aus Jefferson City im US-Bundesstaat Tennessee an die Spree geholt worden. Seitdem ist Good unumschränkter ‚Chef im Ring‘: acht der 19 Offensiv-Touchdowns erlief er selbst, sieben weitere erzielten die Hauptstädter auf seine Pässe hin. „Wenn wir ihn stoppen, stoppen wir die Adler“, weiß Panther-Cheftrainer James Jenkins.

 

Abzuwarten bleibt, ob es vielleicht ein kleiner Vorteil ist, dass die Düsseldorfer Defense beim Krimi-Sieg gegen Kiel schon –wenn auch lange Zeit erfolglos - gegen einen laufbetonten Angriff mit extrem beweglichem Quarterback verteidigen musste. „Das hat uns zumindest gezeigt, welche Probleme wir gegen so ein Spiel haben“, sagt Jenkins vorsichtig. Zudem sind die Berliner bislang beinahe perfekt in ihrer Ballkontrolle und haben sich nur vier Ballverluste insgesamt geleistet. Auf der anderen Seite war die Berliner Deckung – mit Ausnahme der Niederlage gegen Vizemeister Kiel – weder durch Lauf- noch Passspiel zu knacken. Immerhin drei ihrer elf abgefangenen Pässe trugen die Adler zu Touchdowns zurück.

 

Was zur Ermahnung von McCants zurückführt: Nur mit äußerster Konzentration haben die Panther die Chance auf den 16. Sieg im 31. Duell mit den Adlern seit den Football-Urzeiten 1979, als die späteren Adler noch als Bears antraten. David, der Panther aus Alabama, von seinem Cheftrainer als „Quelle der Energie für alle seine Mitspieler“ gepriesen, hat in der Kombination seiner begeisternden Läufe (758 Yards) und der kurzen Pässe, die er meist in großen Raumgewinn (6 Fänge für 156 Yards) verwandelt, in den sieben Spielen dieser Saison schon die ominöse 1000-Yard-Marke geknackt. Wobei die drei Kick-off-Returns, mit denen er beim Überraschungssieg gegen Kiel 168 weitere Yards (und einen sensationellen Touchdown) erlief, da noch gar nicht berücksichtigt sind. Und nicht nur, weil er damit beinahe ein Drittel der  Offensiv-Profuktion der Raubkatzen verbucht hat, hat sein Wort Gewicht im Team. „Von jetzt an ist für uns jedes Spiel ein Play-off-Spiel“, verkündete David McCants, „weil wir um das Heimrecht für die Play-offs kämpfen. Und deshalb nehmen wir kein Spiel mehr leicht.“