Gekämpft und verdient gewonnen

Wie im vergangenen Jahr boten die Wiesbaden Phantoms am Samstag dem amtierenden deutschen Meister die Stirn. Doch die Drangphase vor der Halbzeitpause war zu kurz: Die Unicorns drehten auf und siegten am Ende verdient mit 53:30 (26:17).

Die Zeichen vor dem Gastspiel in Wiesbaden waren alles andere als rosig. Vor allem das Defensive Backfield verlor immer mehr Stammkräfte an die Verletzungsbank: Nach Timo Weiß (Schlüsselbein) und David Seiffer (Leiste) fiel nun auch Gerry Jäger (Sprunggelenk) aus. Außerdem war  Oliver Radke verhindert und konnte nicht mit nach Wiesbaden reisen.

 

Die Lage war so prekär, dass Receiver Johannes Brenner, der normalerweise fürs Bälle fangen zuständig ist, gleichzeitig in der Defense als Safety, also für das Pässe abwehren, eingesetzt wurde. Schließlich sollte der 29-Jährige, der erst sein zweites Spiel nach einer Verletzung am Sprunggelenk absolvierte, mit drei Touchdowns in Wiesbaden zum Matchwinner werden. „Meine Touchdowns waren eine Kombination aus Sigi Gehrkes Taktik, Jake Spitzlbergers Umsetzung und der Reaktion der Defense. Im nächsten Spiel ist wieder ein anderer Receiver dran“, so Johannes Brenner nach dem Spiel bescheiden.

 

Gleich im ersten Drive zeigte der deutsche Meister dem Gastgeber auf, wo die Reise hinführen sollte: Johannes Brenner fing einen 45-Yards-Pass von Quarterback Jake Spitzlberger und marschierte zum 6:0 in die Endzone. Ein bereits bekanntes Problem trat leider auch in Wiesbaden auf: Der Extrapunkt-Versuch von Christian Devincentis knallte an die Torstange und auch ein zweites Mal flog der Ball statt zwischen den Stangen an einer Stange vorbei. Sollte die Unicorns in der nächsten Zeit ein enges Spiel erwarten, könnte dies zum Entscheidungsfaktor über Sieg oder Niederlage werden.

 

Diese Führung der Haller sollte in Wiesbaden nicht mehr gekippt werden. Doch immer wieder schnupperten die Phantoms daran, denn auch sie konnten den Ball mit ihrem deutschen Quarterback Kevin Brüngel gut über das Feld bewegen. Vor allem Runningback Randall Payne fand immer wieder Löcher in der Unicorns-Defense und nutzte diese zu Raumgewinn. Die ersten beiden Touchdowns gelangen den Wiesbadenern aber erst, nachdem Schwäbisch Hall durch Fritz Waldvogel und Thomas Hambalek (67-Yards-Pass von Spitzlberger) schon auf 19:3 davongezogen waren.

 

Beide Phantoms-Touchdowns offenbarten die Schwächen in der Haller Passverteidigung, was der agile Receiver Richard Edens zum 10:19-Anschluss ausnutzte. Am zweiten Touchdown der Phantoms war auch der Angriff der Unicorns nicht ganz unschuldig. Anstatt sich im vierten Versuch an der eigenen 40-Yards-Line durch einen Befreiungskick vom Ball zu trennen, entschied sich Siegfried Gehrke zum Ausspielen. „Das war ein Coaching-Fehler und wirkte sicher ein bisschen arrogant“, gab der Haller Head Coach nach Spielende zu, denn der vierte Versuch ging in die Hose und der Ballbesitz wechselte. Innerhalb weniger Spielzüge war Wiesbaden erneut in der Endzone angekommen und die Alarmglocken auf Seiten der Unicorns läuteten: Aus einem beruhigenden 19:3 war ein knappes 19:17 geworden.

 

Doch eine gute Minute blieb vor der Halbzeitpause und diese sollten der Schlüssel zum Erfolg werden. Fast erinnerte dieser Drive mit viel Kurzpassspiel an das vergangene Meisterjahr. Es schien, als würde der Zeitdruck den Einhörnern mehr als gut tun. Sechs Sekunden vor Ende des zweiten Viertels war es wieder Johannes Brenner, der mit seinem Touchdown den etwas beruhigenderen 26:17-Halbzeitstand herstelle. „Das war ganz wichtig“, zollte Gehrke später seiner Offense Respekt.

 

In der zweiten Hälfte war der Bann gebrochen und der Sieg der TSG-Footballer geriet nicht mehr in Gefahr. Zwei weitere Touchdowns von Waldvogel, einer von Brenner sowie einer von Quarterback Spitzlberger selbst, gaben dem Aufsteiger aus der vergangenen Saison keine Chance mehr auf den Sieg. Doch bis zum Schluss kämpften die Phantoms und ließen den Abstand nicht allzu groß werden. Der 53:30-Endstand war in der Höhe verdient, zeigte jedoch auch die Schwächen in der Haller Defensive und die solide Leistung der Phantoms auf.

 

Siegfried Gehrke war nach dem Spiel zufrieden: „Unter diesen Umständen ist das völlig in Ordnung. Jedes Team ist in diesem Jahr besonders heiß auf uns als deutschen Meister. Damit müssen wir erst einmal klarkommen.“

 

Jetzt heißt es nach sechs Wochenenden Football eine Woche Spielpause für den deutschen Meister, bevor es zum Auswärtsspiel nach München geht. Diese werden sie nutzen, um sich noch besser aufeinander abzustimmen und die vielen kleineren und größeren Verletzungen auszukurieren.