Heiß, Heißer, EUROBOWL XXVIII

Zum dritten Mal in fünf Jahren spielen die Berlin Adler um Europas Football-Krone. Im Eurobowl XXVIII treffen sie auf ihren Erzfeind aus Braunschweig, die NewYorker Lions.

Die Adler konnten die Eurobowl bisher einmal (2010) gewinnen, die Lions verbuchten bereits zwei Siege (1999, 2003), den letzten mit RB Kim Kuci als Game MVP. Der jetzige Berlin Adler Head Coach betitelt das  Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Klub in diesem prestigeträchtigen Spiel als „eine große Herausforderung, die da auf uns zukommt.“ Kim Kuci weiter: „Wenn wir es schaffen, das Spiel lange offen zu halten, können wir darauf hoffen, spät in der Partie eine Entscheidung zu erzwingen. Wenn wir es schaffen, in den Special Teams ein Big Play zu kreieren und die Lions Offense zu einem oder zwei Turnover zwingen, dann haben wir eine Chance, als Sieger vom Platz zu gehen.“

Wer auch immer im Finale siegen sollte, in diesem Jahr wird auf jeden Fall ein deutsches Team die österreichische Vormachtstellung im europäischen Vereinsfootball beenden. In den vergangenen 11 Jahren stand immer ein österreichisches Team im Finale, 8mal davon siegreich. Bei der Football EM im Juni wurden unsere Nachbarn aus der Alpenrepublik bereits von Team Germany auf den zweiten Platz verwiesen. Mit sieben Nationalspielern steuerten die Braunschweiger das stärkste Kontingent in der deutschen Auswahl bei. Die Adler wurden durch Teamkapitän Mario Nowak, WR Danilo Gonzalez und DB Mario Schmitt vertreten.

Wenn sich am Samstagnachmittag ab 14 Uhr die beiden deutschen Top-Teams zum europäischen Endspiel im Jahn-Sportpark gegenüberstehen wird Petrus die Atmosphäre noch weiter anheizen. Über 30 Grad werden erwartet. Der Eurobowl findet zwar in Berlin statt, ist aber offiziell kein Adler Heimspiel, da der AFVD als unabhängiger Veranstalter das Finale ausrichtet. Per Los wurde entschieden, dass die NewYorker Lions das offizielle Heimteam sind und in ihren Heimfarben antreten werden. Von Heimvorteil kann kaum eine Rede sein für die Adler, deren Teamzone sich als Gastmannschaft weitab von den eigenen Fans vor der Gegentribüne befindet und die sich noch nicht einmal in ihren gewohnten Kabinen umziehen dürfen.

Die Lions sind zur Zeit in der GFL das Maß aller Dinge. Mit fünf Siegen in fünf Spielen und im Schnitt 40 Punkten pro Spiel führen sie unangefochten die Tabelle der GFL Nord an. Die Adler mussten am vergangenen Wochenende eine 20:28-Niederlage gegen die Kiel Baltic Hurricanes hinnehmen. Doch eine vermasselte Generalprobe ist nicht unbedingt gleichbedeutend ein schlechtes Zeichen für die große Gala am Samstag. Adler Offensiv Line Coach Eric Schramm sieht die Chancen 50-zu-50: „Wir sind nah dran, aber dafür müssen wir besser performen als zuletzt im Kiel-Spiel. Wir müssen einfach executen und das nehmen, was sie uns geben.“

Auf dem Weg in den Eurobowl schalteten die Adler im Mai den amtierenden Schweizer Meister Calanda Broncos und im Juni in einem packenden Finish den Vorjahresfinalisten Swarco Raiders aus. Mit etwas Glück landete der deutsche Rekordmeister aus Braunschweig im europäischen Endspiel. Zum BIG6-Auftakt besiegten die Lions in einem Rematch des letztjährigen German Bowls die Dresden Monarchs 17:10. Wegen eines geblockten Extrapunktversuches mussten sich die Braunschweiger in ihrem zweiten Spiel denkbar knapp mit 13:14 dem österreichischen Champion Raiffeisen Vienna Vikings geschlagen geben. Dank der Schützenhilfe aus Dresden, die im Abschlussspiel der Gruppenphase die Vikings 41:35 besiegten, durften sich die Löwenstädter doch noch über den BIG6-Finaleinzug freuen.



Die große Stärke der Lions sieht Offense Line Coach Schramm in der Tiefe der Bankspieler: „Die Gefahr bei den Braunschweigern in der Defense ist generell, sie verlieren nicht an Gefahr wenn sie rotieren. Natürlich sind die Starter besser als die Backups, aber wenn die Backups auf dem Feld sind, dann verlieren sie nicht viel an Qualität.“

Nicht spielberechtigt auf gegnerischer Seite wird Casey Therriault sein. Der 25-jährige US Quarterback, der in der vergangenen Saison die Liga dominierte, stieß 2014 erst Mitte Juni - nach Ablauf der BIG6-Meldefrist - zum Kader. Mit James Peterson und Mike Friese hat Braunschweig Head Coach Troy Tomlin dennoch zwei weitere erfahrene Spielmacher im Team. „Nur weil Therriault nicht spielen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass Peterson einfacher für uns ist“, warnt Adler Defense Coach Jag Bal. „Ich denke er ist ein sehr guter Footballspieler und wir müssen bei jedem einzelnen Spieler auf dem Feld wachsam sein. Es gibt nicht nur einen bestimmten Spieler, auf den wir uns vorbereiteten müssen. Wir müssen bereit sein für Braunschweig – das komplette Team.“

Auf Berliner Seite wird wie immer Verlass sein auf Quarterback Darius Outlaw, der sich in den bisherigen 8 Saisonspielen (6 GFL, 2 BIG6) kaum Fehler leistete. Insgesamt 19 Pass-Touchdowns bei nur 2 Interceptions, dazu noch 4 selbsterlaufene Touchdowns, zeichnen den erfahrenen Spielmacher der Adler aus. In der Offense wird WR Conrad Meadows wieder zurückkommen. Das US Energiebündel stand die letzten beiden Spiele verletzungsbedingt an der Seitenlinie.

„Perfekte Vorbereitung ist das Wichtigste“, merkte Defense Coach Bal vor dem Spiel an. „Wenn sich zwei sehr starke Teams gegenüberstehen, dann endet das meist in einem Kampf um die entscheidenden Zentimeter. Viele reden darüber, aber erst wenn man in einem Spiel wie diesem auf dem Platz stand, weiß man, was es wirklich bedeutet. Der Wille und das Herz jedes Einzelnen sind am Samstag entscheidend.“