Von der zweiten Garde zu sprechen ist beim derzeitigen Aufgebot der Berlin Adler mit Sicherheit schon lange nicht mehr die richtige Bezeichnung. Denn durch anhaltenden Verletzungsmisere beim amtierenden Deutschen Meister ist Head Coach Shuan Fatah immer wieder dazu gezwungen, den Kader auf zahlreichen Positionen umzustellen und Spieler vermehrt zum Einsatz zu bringen, denen diese Rolle so eigentlich noch nicht zugedacht war. So musste Fatah unter anderem beim 32:14-Erfolg gegen die Berlin Rebels in der Offense Line überwiegend auf Spieler zurückgreifen, die in den vergangenen Jahren noch in der Jugend der Adler aktiv waren. Es war ein extrem wichtiger Sieg für uns, an dem auch viele junge Spieler beteiligt waren, freute sich Fatah dann auch nach dem Spiel.
Und auch in anderen Bereichen drängen sich immer mehr junge Spieler, die zum Teil sogar durch das Jugendprogramm der Schwarz-Gelben gegangen sind, in den Vordergrund. So gehören WR Lars Samjeske und LB Pierre Rymon von Lipinski schon in diesem Jahr zum festen Stamm der Adler. Mit Fug und Recht kann man also sagen, dass die junge Garde der Adler derzeit einen maßgeblichen Anteil daran hat, dass die Berliner immer noch ein heißer Kandidat im Rennen um den Einzug in den German Bowl sind.
Allerdings fehlt es den Spielen zum Teil auch noch an der Erfahrung, was auch gegen die Rebels hier und da deutlich wurde. Denn besonders im ersten Viertel taten sich die Adler im Lokalderby gegen die Berlin Rebels immer wieder schwer, den Rhythmus zu finden, lange Drives zu etablieren und dann auch Punkte zu erzielen. Doch schon im zweiten Viertel platzte der Knoten. Zunächst sorgte K Benjamin Scharweit für die ersten drei Punkte der Partie. Dann musste Rebels-OL Jason Osei nach einem Faustschlag vorzeitig zum Duschen gehen.
Adler-Quarterback schaltet Star-Linebacker Johnson aus
Rebels-Linebacker Rory Johnson musste das Spiel ebenfalls vorzeitig beenden und von der Seitenlinie ansehen. Grund war ein heftiger Hit von Adler-QB Tobias Brüning, der Johnson bei einem Lauf förmlich überrannte und den Verteidiger mit NFL-Erfahrung außer Gefecht setzte. Ein Migräneanfall verhinderte den weiteren Einsatz von Johnson.
Diese Hinausstellung sowie zwei Touchdowns durch QB Tobias Brüning waren dann auch die entscheidenden Faktoren, dass die Adler zur Halbzeit mit 16:0 führten. Einen wesentlichen Anteil am zweiten Touchdown von Brüning hatte vor allem LB Patrick ONeil. Der Verteidiger fing einen Pass von Rebels-QB Darius Outlaw ab und trug den Ball bis an die Ein-Yard-Linie der Rebels. Von dort hatte Brüning dann keine Probleme, seinen zweiten Touchdown zu erlaufen. Insgesamt wirkte die Offense um den neuen Stammspielmacher wesentlich gefestigter und auch Brüning selbst strahlte viel mehr Ruhe aus.
Das bleibt nicht aus, wenn man sich auf den Quarterback festlegt. Tobias Brüning wird uns jetzt führen, sagte Fatah nach dem Spiel und erklärte auch, warum die Offense der Adler ausgerechnet gegen die Rebels endlich wieder einen Spielfluss entwickelte. Denn die Defense des GFL-Neulings gehört mit Sicherheit nicht zu den angenehmsten Abwehrformationen in der Belle Etage des deutschen Footballsports. Kurz nach der Halbzeit sorgte Brüning dann für die endgültige Entscheidung.
Mit seinen läuferischen Fähigkeiten sorgte Brüning immer wieder für großen Raumgewinn und gegen seine Rollouts mit anschließendem Wurf fand die Defense der Rebels nur selten ein probates Gegenmittel. Höhepunkt der Serie war dann sein Pass auf WR Hemaseh Heidary, der mit seinem Touchdown die Führung der Adler auf 23:0 ausbaute. Die Luft war danach ein wenig raus.
Auf Grund ihrer komfortablen Führung begannen die Adler ein wenig herum zu experimentieren und boten dadurch dem Angriff der Rebels mehr Optionen als nötig. So konnte RB David McCants, im vergangenen Jahr noch im Trikot der Adler spielend, mit zwei Touchdown-Läufen noch seine Statistik etwas verbessern, blieb aber weit hinter den vor dem Spiel vollmundig angekündigten 400 Yards Raumgewinn. Dass der Erfolg der Adler nicht mehr in Gefahr geriet, lag auch daran, dass die Schwarz-Gelben immer wieder eine passende Antwort parat hatten.
Schon am kommenden Wochenende steht das letzte reguläre Saisonspiel für die Adler an. Bei den Berlin Rebels im Mommsenstadion will das Team von Head Coach Shuan Fatah seine Siegesserie gegen die Rebels fortsetzen bevor es in die Playoffs geht.
