Gerade noch hatte Marius Markgraf seine Offense mit dem ersten Ballbesitz der zweiten Halbzeit durch zwei erfolgreiche Pässe auf Marcel Duft und Robin Bräuer auf die 8 Yard-Linie der Schwäbisch Hall Unicorns geführt. Der Anschluss-Touchdown für den Underdog lag in der Luft. Doch statt möglichen Punkten für die Anzeigetafel und fürs Selbstbewusstsein der Phantoms gab es einen kostspieligen Ballverlust bei der Eröffnung des nächsten Spielzugs auf der Haller 8. Ballbesitz Schwäbisch Hall. Und die fackelten nicht lange, marschierten erneut zielstrebig übers Feld und schlossen durch den dritten Touchdown ihres Ballträgers Waldemar Schander an diesem Tag zum 26:0 ab. Schmerzhafter konnte die zweite Halbzeit für die Phantoms kaum beginnen. Ein Lehrbeispiel, wie hart und zügig solche Fehler in der höchsten deutschen Spielklasse bestraft werden.
Ob diese vergebene Riesenchance dem bis dahin einseitigen Spiel zwischen Aufsteiger und Topteam eine entscheidende Wende gegeben hätte, sei dahingestellt. Aber es wäre in diesem Moment wichtig gewesen für die Moral der jungen Truppe von Sven Gloss, die in der ersten Halbzeit demonstriert bekam, wie effektiv eine GFL-Spitzenmannschaft spielen kann. US-Spielmacher Aaron Boehme setzte seine beeindruckende Leistung vom Auswärtssieg der Unicorns bei Vizemeister Berlin gegen die Phantoms nahtlos fort und führte sein Team schon in den ersten zwölf Minuten zu zwei Touchdowns. Zunächst erlief Schander über 29 Yards die ersten sechs Punkte. Anschließend fand Aaron Boehme mit Thomas Hambalek über 36 Yards für den nächsten Touchdown einen Abnehmer.
Kaum Zeit zum Durchatmen für das Gloss-Team bis dahin. Erst dann gelang es, die Haller Angriffsmaschinerie in einem vierten Versuch zu stoppen. Ein Ausrufezeichen, immerhin. Offensiv sprang in der ersten Halbzeit wenig mehr als ein paar First Downs heraus. Kevin Brüngel versuchte es zu Fuß und mit kurzen Pässen. In die Nähe der Haller Endzone kam man allerdings nicht. Die Gastgeber erhöhten nach einer erneut mustergültig vorgetragenen Angriffsserie schließlich durch den zweiten Schander-Touchdown auf 20:0. Halbzeit in der Lehrstunde der Schwäbisch Hall Unicorns für eine Wiesbadener Mannschaft, die gegen einen der Titelanwärter einfach auf verlorenem Posten stand und erst im letzten Spielabschnitt ein Erfolgserlebnis durch Marcel Duft verzeichnen konnte.
Auf Zuspiel vom in der zweiten Halbzeit als Quarterback agierenden Marius Markgraf verzeichnete der Nationalspieler aus 20 Yards Distanz den Ehren-Touchdown der Phantoms, nachdem kurz zuvor ein Markgraf-Lauf in die Haller Endzone wegen einer Strafe annulliert wurde. Seelenbalsam zum Ende des Spiels, den sich das Gloss-Team zweifelsohne verdient hatte.
Letztlich gab es an der klaren Überlegenheit der Gastgeber vor offiziell 2.100 Zuschauern im Hagenbachstadion nichts zu rütteln. Die im Vorfeld befürchtete Lehrstunde für die Phantoms trat ein. Bis man gegen ein Spitzenteam wie die Unicorns mithalten kann, bedarf es noch vieler Trainings- und Arbeitsstunden in Wiesbaden. Vor allem das Abstellen von kostspieligen Fehlern in aussichtsreichen Feldpositionen dürfte dabei in der nahen Zukunft eine große Rolle spielen.
Schon am Samstag geht es für die Phantoms wieder auf Reisen. Beim letztjährigen Zweitligameister Saarland Hurricanes (15:17 in München) will man sich Luft im Abstiegskampf verschaffen und die gerade in den beiden vergangenen Spielen gemachten negativen Erfahrungen in positive Resultate umsetzen. Auf dem langen, steinigen Weg zu Etablierung in der German Football League.
