Lamar Myles – Zu „klein“ für die NFL, genau richtig für die Monarchs

Die Dresden Monarchs verplichten einen ehemaligen Division I-Linebacker. Als ungedrafteter Free Agent schaffte Myles im Jahr 2008 den Sprung in die NFL.

Football ist in den Vereinigten Staaten das wohl größte Sportgeschäft überhaupt. Allein die Einnahmen aus den veräußerten Fernsehrechten betragen jährlich rund 4,2 Milliarden US-Dollar. Rund 17 Millionen Zuschauer verfolgen, bei durchschnittlichen Eintrittspreisen von rund 75 US-Dollar, die regulären Saisonspiele live in den Stadien der Liga. Entsprechend energisch kämpfen die besten Footballspieler der Welt um einen der wenigen Arbeitsplätze der insgesamt 32 NFL-Teams. Bei Einstiegsgehältern von mindestens 225.000 US-Dollar pro Jahr lohnt sich die Mühe. Der Sprung in die Ligaspitze käme einem Lottogewinn gleich. Schließlich verdienten die zwölf bestbezahlten Spieler der Liga im Jahr 2011 zwischen 12,4 und 23 Millionen US-Dollar. Für diese Summen erwarten die NFL-Teams im Gegenzug nicht weniger als Perfektion. Körper und Geist durchlaufen strengste Tests. Schon wenige Kilogramm, wenige Zentimeter oder kleinste Fehler machen den Unterschied zwischen Superstar und Entlassungspapieren. Auch Lamar Myles, Dresdens jüngste Neuverpflichtung, kennt das ewige gleiche Spiel. Trotz seines Talentes scheiterte der heute 26-Jährige am strengen Auswahlverfahren der amerikanischen Profiliga. Mit 1,82 Meter sei Myles zu klein. Hinzukommt das er 2010 verhaftet und mit einer Anzeige wegen schwerer Körperverletzung konfrontiert wurde. Wie es sich aber kurz darauf herausstellte, hatte er mit dieser Sache nichts zu tun und die Anzeige gegen ihn wurde fallen gelassen. Aber der Makel blieb leider erhalten.

 

Talent ist längst nicht alles im Leben, das musste auch Lamar Myles zwischen 2008 und 2009 auf die harte Weise lernen. Myles absolvierte seine Collegelaufbahn bei den Louisville Cardinals, einem Collegeteam der 1. Liga (Division I), in der Big East Conference. 2004 noch Bankspieler, startet Lamar Myles erst 2005 in sein erstes Spiel, gegen Oregon State. 2006 hatte er es endlich geschafft. Als starting Middle Linebacker der Cardinals verbuchte er 10,67 Tackles pro Spiel um sich 2007 ein weiteres Mal zu steigern. 128 Tackles, zwei Sacks, drei erzwungene Fumbles, drei eroberte Fumbles sowie ein Spielrekord von 22 Tackles gegen Kentucky zeigten, was in ihm steckt. Keine schlechten Werte, lieferte Myles sie doch gegen die stärksten und namhaftesten Teams der Collegegeschichte, wie Cincinnati, Virginia Tech, West Virginia, Kansas State oder Syracuse. Und dennoch, nicht genug um bereits im Draft 2008, der jährlichen stattfindenden Spielerlotterie der NFL, Beachtung zu finden.

 

Noch im gleichen Jahr, als ungedrafteter Free Agent (ein frei verfügbarer Spieler am Markt), überzeugte Myles die Jacksonville Jaguars, ein Team der NFL, von seinen Qualitäten, nur um wenig später in die frustrierenden NFL-Mühlen aus Entlassung, Wiedereinstellung und abermaliger Entlassung zu geraten. Sowohl Jacksonville als auch das NFL-Team der St. Louis Rams zeigten Interesse, testeten ihn. Das Urteil war stets das gleiche: „Ein unbestrittenes Talent, mit ligareifen Fähigkeiten. Sehr gut, schnell und physisch spielend. Doch mit 1,82 Metern Körpergröße leider ein wenig zu klein für seine Position als Linebacker.“ Nun verpflichteten die Dresden Monarchs das 105 Kilogramm schwere NFL-Talent. „Wir freuen uns auf Lamar und sind gespannt, ob er in der GFL sein Können aufblitzen lassen kann“, so Cheftrainer Gary Spielbuehler. Als böser oder, weniger drastisch übersetzt, kompromissloser Hitter während seiner Collegezeit gefürchtet, könnte Lamar Myles seinem neuen Team den gesuchten Rückhalt geben.