Löwen wollen Geschichte schreiben

Sie haben das Dutzend vollgemacht. Die Braunschweig Lions stehen sage und schreibe zum zwölften Mal in Folge im Finale um die Deutsche Meisterschaft im American Football. Im German Bowl XXX treffen die Löwenstädter am Samstag (27. September) in der Frankfurter Commerzbank Arena auf die Kiel Baltic Hurricanes.

Seit dem letztjährigen Sieg über die Stuttgart Scorpions können sich die Niedersachsen Rekordmeister nennen, denn sie kommen genau wie die Düsseldorf Panther bisher auf sechs gewonnene Meistertitel und nun haben die Lions die Gelegenheit, den Schritt zum alleinigen Inhaber dieses Titels am kommenden Wochenende zu machen. Quasi nebenbei wären sie dann auch noch das erste Team in der Geschichte des deutschen Footballs, das zum vierten Mal hintereinander den begehrten Meistertitel erringen würde.

 

Also alles wie immer? Na ja, nicht wirklich, denn vielleicht mal abgesehen von der ersten Teilnahme 1997 und den Finals der Jahre 2000 und 2001, die die Lions gegen die Cologne Crocodiles bzw. die Hamburg Blue Devils verloren, gehen sie zum ersten Mal seit 1998 nicht als Favorit in das Spiel der Spiele. So, wie 2000 das Jahr der Crocodiles war, könnte 2008 das Jahr der Hurricanes werden. Sie vermelden explosionsartig steigende Zuschauerzahlen und die ganze Region an der Förde ist im Footballfieber.

 

Gegen die Hurricanes verspielten die Lions vor einigen Wochen die Nordmeisterschaft und kassierten mit der 14:33-Schlappe gleichzeitig eine der empfindlichsten Niederlagen der letzten Jahre. Kiels dominante Defense und das klar für Kiel entschiedene Duell an der Line of Scrimmage war dabei einer der entscheidenden Schlüssel zum Sieg. Bereits im Hinspiel in Braunschweig hatten sich die Kieler als den Lions mindestens ebenbürtig präsentiert, auch wenn das Spiel aus von den Gastgebern mit 16:14 gewonnen werden konnte.

 

Dieses Szenario fügt sich auch nahtlos in den diesjährigen Saisonverlauf der Niedersachsen ein. War man an der Oker in den letzten Jahren nahezu durchgehend Spielzeiten mit maximal zwei Niederlagen gewohnt, musste man sich in diesem Jahr gleich zum Heimauftakt den Dresden Monarchs überraschend geschlagen geben und kassierte im weiteren Verlauf noch Punktverluste in beiden Spielen gegen die Berlin Adler, wobei ein Unentschieden dabei war und eben gegen besagte Kiel Baltic Hurricanes. In der Play-Off-Runde knüpften die Lions zwar an alte Stärken an, zeigten aber im Spiel gegen die Munich Cowboys durchaus auch mentale Schwächen in der Offense, der es in der zweiten Halbzeit nicht mehr gelang, weitere Punkte zu erzielen.

 

Der Blick auf das Finale und den dort wartenden Gegner spricht hingegen eine klare Sprache zugunsten der Lions. In den bisherigen 21 Spielen gegen die Hurricanes gab es 18 Siege für die Niedersachsen, einmal trennte man sich Unentschieden und zwei Siege gingen nach Kiel. Auch die Scoringbilanz aus diesen Spielen ist mit 858:364 Punkten mehr als deutlich. Aber ganz so einfach ist es insbesondere in diesem Jahr gegen die Kieler natürlich nicht.

 

„Zunächst mal muss man festhalten, dass die Hurricanes es aufgrund ihres Saisonverlaufs und den in den Play-Offs gezeigten Leistungen verdient haben, im German Bowl zu stehen. Uns ist klar, dass wir Ende August in Kiel eine über alle Maßen schwache Leistung abgeliefert haben und wir werden natürlich alles tun, um dieses Spiel vergessen zu machen. Auch wenn wir diesmal nicht als Favorit in das Finale gehen, wissen wir aufgrund der vorhandenen Endspielerfahrungen natürlich, dass in einem German Bowl Alles passieren kann. Kiel ist auf beiden Seiten des Balles sehr gut besetzt und wir werden am oberen Limit unserer Möglichkeiten spielen müssen, wenn wir dieses Spiel gewinnen wollen. Das Halbfinale in Marburg hat gezeigt, dass wir das können. Die Anzahl der Turnover und die Spielstärke der Offensive und Defensive Line werden wichtige Faktoren sein. Wer hier die Nase vorne hat, wird gewinnen. Außerdem ist es für uns sehr wichtig, als geschlossenes Team aufzutreten, die Ruhe zu bewahren und absolut diszipliniert zu agieren, egal was passiert“, erklärt Lions-Sportdirektor Dirk Miehe.

 

In der Vorbereitung auf das Spiel der Spiele gibt es in Braunschweig keine großartigen Veränderungen im Vergleich zur Vorbereitung auf die Saisonspiele.

„Wir werden im Finale wieder genau so versuchen, unseren besten Football zu spielen, wie wir das in der ganzen Saison getan haben. Wir haben auch dieses Jahr wieder hart gearbeitet, um in das Finale zu kommen und die Jungs haben sich das enorm verdient. Und auch wenn Canes-Wide Receiver Gunnar Peter in der German Bowl-Pressekonferenz der Meinung war, dass der German Bowl für uns an Bedeutung verloren hat, werden wir dennoch alles tun, um ihm das Gegenteil zu beweisen und das Finale zu gewinnen“, so Dirk Miehe weiter.

Die Lions können im Endspiel voraussichtlich nahezu in Bestbesetzung auflaufen. Fehlen werden den Niedersachsen lediglich Sebastian Reilmann, Ryan Davis und Simon Haubold.

 

Die Braunschweiger reisen am Freitag bereits nach Frankfurt und werden dort noch eine kurze Stadionbesichtigung vornehmen. Nach der Übernachtung in Neu-Isenburg gibt es am Spieltag noch Meetings und ein gemeinsames Mittagessen. Dann geht es ins Stadion und kurz darauf wird feststehen, ob das diesjährige Team der Lions in der zwölften Finalteilnahme den siebten Sieg, den vierten Titelgewinn in Folge und den ersten Finalsieg gegen Ex-Headcoach Kent Anderson bejubeln darf.

Neue T-Shirts, wie sie die Lions-Spieler vor dem Spiel in Kiel hatten anfertigen lassen, wird es übrigens keine geben. Auch hier haben die Braunschweiger bereits die richtigen Schlüsse gezogen.