Für mehr als ein halbes Dutzend Düsseldorfer Spieler war es ein schmerzliches Deja-vu. Patrick Neff, Roland Kunig, Jörg Berghoff, Jason Adjei, Sascha Jungblut, Florian Pawlik und Oliver Martin waren im Vorjahr an gleicher Stelle mit den Mönchengladbach Mavericks im Halbfinale gegen den gleichen Gegner 21:47 unterlegen. „Schon wieder geht eine Saison hier zu Ende, jetzt steht’s 2:0 für sie gegen mich“, philosophierte Offenseliner Patrick Neff bitter. „Man muss ihre Leistung einfach anerkennen“, sagte Estrus Crayton, „sie sind nicht zufällig deutscher Meister. Sie haben (ihre Spielzüge) gut umgesetzt, sie haben nur wenige Fehler gemacht, daher sind sie schwer zu stoppen.“
Das war den Panthern allerdings in der ersten Hälfte geglückt. Der neue Defense Coordinator Jörg Mackenthun hatte eine aggressive Deckung formiert. In der spielten Jonas Kronenberg und Dan Dixon, der eigens zu den Play-offs aus Texas eingeflogen war, als Defense Ends und versuchten, Unicorns-Spielmacher Jake Spitzlberger unter Druck zu setzen. Das gelang zunächst auch recht vielversprechend: Der US-Quarterback, dem von seiner vor drei Wochen erlittenen Knieverletzung nichts mehr anzumerken war, fumblete nach einem langen Lauf, die Panther eroberten den Ball.
Die Düsseldorfer Offense konnte jedoch zunächst kein Kapital daraus schlagen. Den nächsten Ballbesitz schloss Spitzlberger mit der 6:0-Führung ab, den folgenden Extrakick konnten die Gäste – genau wie nach der Pause einen weiteren – blocken. Nachdem der Panther-Angriff erneut erfolglos geblieben war, das nächste big play der Defense: Sebastian Schönbroich fing einen ‚Spitz‘-Pass in der Endzone ab – die neunte Interception der Saison für den Nationalspieler. Diesmal nutzte die Offense das Momentum: Niklas Römer brachte die Gäste nach einem 37-Yard-Pass von Robert Demers und dem Extrakick von Sascha Jungblut mit 7:6 in Führung.
Noch vor der Pause die erneute Führung der Einhörner und Jungbluts Fieldgoal zum 12:10-Anschluss. „Auch wenn das Ergebnis ganz ordentlich klingt, haben wir da vielleicht schon den Sieg verschenkt“, analysierte Offenseliner Raphael Llanos-Farfan, „wir haben die Vorlagen, die uns unsere Defense durch ihre Turnovers geliefert hat, nicht genutzt. Wir hätten vor der Pause noch mindestens einmal punkten müssen.“ Doch das gelang auch im dritten Quarter zunächst nicht: Die Panther wurden zweimal schnell gestoppt, die Unicorns hingegen marschierten geradezu souverän übers Feld und zogen vorentscheidend auf 26:10 davon. Halls Quarterback konnte da ohne jeden Druck schalten und walten und zerpflückte die Düsseldorfer Deckung zeitweise fast nach Belieben
Doch die Raubkatzen kämpften weiter, gaben sich und das Spiel noch lange nicht verloren. Estrus Crayton verkürzte auf 17:26, nach einem erneuten Haller Touchdown brachte Niklas Römer die Panther noch einmal auf 25:33 heran. Dann zwei Schlüsselszenen, die die Partie endgültig gegen die Rheinländer entschieden: Nach einem Fumble der Unicorns urteilten die Schiedsrichter zunächst auf Ballbesitz für Düsseldorf, ehe sie dann nach längerer Diskussion doch den Gastgebern das Spielgerät zusprachen. Dann hatte die Panther-Defense die ‚Einhörner‘ beim vierten Versuch und 14 zu überbrückenden Yards schon beinahe gestoppt. Doch der überragende US-Spielmacher Spitzlberger warf einen 30-Yard-Pass bis kurz vor die Endzone, dem folgte wenig später die endgültige Entscheidung zum 41:25.
Was den Panthern bleibt: Sie haben eine gute, zeitweise sogar begeisternde Saison gespielt auch wenn die angestrebten Ziele, Platz zwei im Norden und Einzug ins Halbfinale, verpasst wurden. Vor allem die Deckung bot – wohl auch wegen der vielen Wechsel im Trainerstab – arg wechselhafte Leistungen. Die Offense gehört mit dem Laufspiel über den überragenden David McCants (der am meisten unter den widrigen Bedingungen beim Halbfinale litt, da er keinen seiner gefürchteten Cuts machen konnte, ohne auszurutschen) und dem Passpiel über Estrus Crayton und die Armada der deutschen Receiver, angeführt von Niklas Römer zu den drei besten in Deutschland. „Wir brauchen jetzt mehr Kontinuität in der Defense, dann können wir nächstes Jahr wieder angreifen“, gibt Nationalspieler und Teamcaptain Raphael Llanos-Farfan die Marschroute vor.
