Partie in Kempten das erwartet enge Spiel

Wie bereits im Vorfeld von vielen befürchtet bzw. erhofft - je nach Standpunkt des Betrachters - entwickelte sich das Gastspiel der Stuttgart Scorpions bei den Allgäu Comets am Sonntag wieder zu einem fast schon dramatischen Spiel.

Comets vs Scorpions (Foto: Sarah Philipp)

Dass es am Ende die Gastgeber aus Kempten waren, welche mit 30:24 die Oberhand behielten, brachte Scorpions-Head Coach Jemil Hamiko kurz und bündig auf den Punkt: "Kempten hat verdient gewonnen, weil wir es zuvor versäumt haben, den Sack zuzumachen. Und weil sie in einem Spiel mit vielen Fehlern nicht die spielentscheidenden gemacht haben.", so sein Resümee. Denn nachdem sein Team aus einem zwischenzeitlichen 07:20 im dritten Quarter ein 24:20 machte - auch weil es bis dahin zumeist die Comets waren, welche sich durch unnötige Strafen selbst um den Lohn brachten - schlichen sich die entscheidenden Fehler ein.
So hatten die Stuttgarter zum Beispiel die Chance, die Führung per Field Goal auf 27:20 zu erhöhen. Allerdings verfehlt der Snap den Holder, weshalb Kicker Flöser nichts Anderes blieb, als den Ball an der eigenen 40 Yard Linie immerhin noch zu sichern. Im Gegenzug erzielte Matt Green das 27:24 für die Hausherren, dem Christian Hafels im letzten Abschnitt das 30:24 folgen ließ. Jenes vierte Quarter dürfte so manchem im Lager der Scorpions etliche graue Haare beschert haben. Unter anderem dadurch, dass die schwäbische Aufholjagd jeweils wieder vorüber war, kaum dass sie wirklich begonnen hatte. Schließlich schaffte es die Allgäuer Defense doch, drei Pässe von Quarterback Shane Carden abzufangen und so jedesmal wieder die Hausherren in Ballbesitz zu bringen. Nicht minder unglücklich gestaltete sich das Ende der Partie: Rund eine halbe Minute vor Spielende waren die Hausherren gerade dabei, ihren vierten Versuch an der Stuttgarter 20 Yard Linie zu spielen, als Hamiko ein fataler Fehler unterlief, indem er beim Wechsel einen Mann zu viel aufs Feld schickte. Die fällige Strafe brachte Kempten einen neuen ersten Versuch ein und gab ihnen so die Möglichkeit, die Uhr herunterlaufen zu lassen. Ob es den Skorpionen in der verbleibenden Zeit gelungen wäre, noch etwas am Ergebnis zu ändern, das steht selbstverständlich in den Sternen, doch hätte sein Team - so gibt der Head Coach unumwunden zu - ohne sein Mißgeschick zumindest die Möglichkeit auf den Versuch gehabt, die Partie aus eigener Kraft für sich zu entscheiden.
 
Zuvor sahen die rund 1.400 Zuschauer im Illerstadion - darunter knapp 80 aus Stuttgart - eine von beiden Seiten hart umkämpfte Partie. Die Hausherren überzeugten hauptsächlich durch ihren Angriff um Quarterback Cedric Townsend, Wide Receiver Grant Isdale und Running Back Dan Conroy, während Stuttgart durch Moral und Kampfgeist zu gefallen wusste. Dass der Comets-Angriff nichts von seiner letztjährigen Stärke eingebüßt hat, demonstrierte er bereits im ersten Quarter eindrucksvoll, so dass es beim Stand von 13:00 durch Touchdowns von Conroy und Isdale in den zweiten Abschnitt ging. Zu Beginn dessen verkürzte Carden für die Gäste auf 13:07, danach übernahmen vorerst die Defensivreihen beider Mannschaften das Kommando. Nachdem beide Teams sich dann jeweils per Punt vom Angriffsrecht trennen mussten, nutze Isdale einen Return für einen sehenswerten Lauf bis kurz vor die Stuttgarter Endzone und diese Chance auf einen Touchdown ließen sich die Hausherren nicht entgehen, womit es fortan 20:07 (nach Pass von Townsend auf Hafels) stand. Im Anschluß folgte die bereits erwähnte Aufholjagd der Scorpions: Zunächst das 20:14 per Lauf von Pascal Flöser und mit dem Pausenpfiff das 20:17 durch ein Field Goal, ebenfalls von Flöser. Die erstmalige Stuttgarter Führung besorgte dann Shane Carden per Quarterback-Sneak im dritten Quarter und für einen Moment schienen die Gäste nun auf bestem Wege, das Spiel für sich zu entscheiden. Wären da nicht die eingangs erwähnten Nachlässigkeiten gewesen.
 
Bei aller Enttäuschung nahm Hamiko am Ende auch viel Positives mit auf den Weg zurück in die schwäbische Metropole. Allen voran, dass sein Team trotz des nicht immer reibungslosen Verlaufs der Partie zu keinem Zeitpunkt aufsteckte oder sich in gegenseitige Schuldzuweisungen verlor. So hält er der Truppe zugute, seit der letzten Saison enorm gereift zu sein, was ihn nur noch in seiner Überzeugung bestärkt, dass die Scorpions bereit sind für die Ziele, welche in diesem Jahr auf der Waldau formuliert wurden.