Ausgerechnet für die Cowboys hob man sich die bisher schwächste Saisonleistung auf und unterlag dem letztjährigen Tabellenschlusslicht folgerichtig und deutlich mit 7:34. Enttäuschend gleichermaßen für die Akteure auf dem Feld und auch für die Zuschauer auf den Rängen. Dass man mit dieser unerwartet klaren zehnten Saisonniederlage und dem gleichzeitigen Sieg der Franken Knights über Saarbrücken (54:28) nun kaum noch Chancen hat, aus eigener Kraft die Relegationsspiele gegen den Zweitliga-Meister zu vermeiden, ist die logische Folge der Misere, die sich in den 48 Spielminuten auftat.
Von wenigen Lichtblicken abgesehen, die Defense Line der Phantoms zeigte eine ansprechende, Hoffnung machende Leistung, gab es wenig Positives zu beklatschen am sonnigen Samstagnachmittag im Helmut-Schön-Sportpark. Guido Reuels bestritt nach achtwöchiger Verletzungspause sein erstes komplettes Spiel als Quarterback und zeigte, dass die Abstimmung mit seinen Passempfängern noch nicht wieder auf dem alten Level ist. Wenig hilfreich für den Rückkehrer war auch das frühzeitige, verletzungsbedingte Ausscheiden von Ballträger Thomas Hogue, der sich schon im zweiten Spielviertel zum ebenfalls verletzt fehlenden Positionskollegen Dominik Voigtländer an die Seitenlinie begeben musste. Patrick Hähnel, Kenny Sharp und Youngster Roberto Ferrara in seinem ersten GFL-Auftritt mussten fortan die schwere Last des Laufspiels tragen. Gegen eine starke Münchner Verteidigung, die sich nur selten überlisten ließ.
Den Gästen selbst genügte eine unspektakuläre offensive Vorstellung, um bis Mitte des zweiten Spielviertels durch Touchdowns von Fabien Gärtner und Phillip Vincenz eine verdiente 14:0 Führung vorzulegen (Extrapunkte Robert Werner). Dem anschließenden Lebenszeichen der Phantoms in Form einer gelungenen und mit einem Touchdown-Pass von Guido Reuels auf Willie Milhouse abgeschlossenen Angriffsserie zum 7:14 (Extrapunkt Müller) folgten Spielminuten, wie sie aus Wiesbadener Sicht leider symptomatisch geworden sind: Bedrängt von mehreren Phantoms-Verteidigern leistete sich Cowboys-Spielmacher Blake Barnes einen Fehlwurf in die Arme von Linebacker Jannik Frings. Ballbesitz Wiesbaden auf der Münchner 25 Yard-Linie, unmittelbar nach dem Anschluss-Touchdown. Statt jedoch Kapital daraus zu schlagen, übergab man das Angriffsrecht wieder an die Gäste, die sich mit Unterstützung einer einmal mehr überflüssigen Strafe Sekunden vor Ende der Pause noch in Field Goal-Reichweite vorarbeiten und mit dem Halbzeitpfiff auf 17:7 erhöhen konnten.
Kostspielige Ballverluste entweder kurz vor der Cowboys-Endzone oder in denkbar schlechter Feldposition tief in der eigenen Hälfte, gepaart mit vermeidbaren Regelverstößen. Zu oft stand sich das Kollektiv in Blau selbst im Weg. Ein Trend, der sich auch nach der Halbzeit fortsetzte und es den weiterhin konzentriert agierenden Gästen leicht machte, Schritt für Schitt ihre Führung auszubauen. Bernhard Bloch im dritten Spielviertel und erneut Fabien Gärtner zu Beginn des letzten Spielviertels sorgten für klare Verhältnisse im Helmut-Schön-Sportpark. Mit Robert Werners Field Goal zum 7:34 Endstand rund sechs Minuten vor Spielende endete schließlich der recht einseitige Punktereigen.
Der Abpfiff des ernüchternden Spiels wirkte dann auch fast wie eine Erlösung für das Team und die Fans der Phantoms, die sich gemeinsam sicherlich weitaus mehr versprochen hatten.
„Zu keinem Zeitpunkt im Spiel haben wir zu uns gefunden. Einmal mehr haben wir uns zu viele Ballverluste und Penalties geleistet, die an einem ohnehin gebrauchten Tag wie heute dann von noch viel größerer Tragweite sind. Wir müssen einsehen, dass wir heute keine wirkliche Chance auf eine Überraschung hatten und die Cowboys auch in der Höhe völlig verdient gewonnen haben. Positiv in Erinnerung bleiben die guten Auftritte unserer jungen Akteure aus der eigenen Jugend. Geburtstagskind und Junioren-Nationalspieler Cedric Schweitzer hat eine tolle Partie gespielt und auch Roberto Ferrara, den wir nach Hogues Verletzung wesentlich intensiver als geplant als Ballträger eingesetzt haben, hat seine Duftmarken gesetzt. Nächste Woche in München haben wir die Chance, es besser als heute zu machen. Draufhauen macht wenig Sinn. Jeder heute auf und neben dem Feld weiß, dass wir heute weit unter unserem Niveau agiert haben.“ Sven Gloss hegt die Hoffnung, dass es seine Mannschaft am kommenden Wochenende, wenn die Cowboys Gastgeber des Duells sein werden, wesentlich besser machen wird.
Dass eine enorme Leistungssteigerung erforderlich sein wird, um den Klassenverbleib entweder auf direktem Wege oder über den Umweg der Relegation zu sichern, muss ebenfalls keinem der Anwesenden im Helmut-Schön-Sportpark nach dem schwächsten Auftritt der Phantoms in diesem Jahr genauer erklärt werden. Tage wie diesen gibt es nunmal, leider.
