„Damit mussten wir rechnen“, gab sich Sven Gloss aufgrund der guten Vorstellung seiner Mannschaft weniger enttäuscht über die Erkenntnis der Relegation, als man erwarten konnte. „Nun wissen wir es definitiv und können uns vor allem auch mental auf die Saisonverlängerung vorbereiten. Wir haben heute eine über weite Strecken gute Vorstellung gezeigt, den Ball mehrfach über das gesamte Feld bewegt, zudem mit „Big Plays“ gepunktet und vor allem defensiv auf ganzer Linie überzeugt. Das sollte uns Selbstbewusstsein für die nächsten Wochen geben.“
In der Tat: In der ersten Halbzeit spielte Wiesbaden nach kurzen Abstimmungsproblemen den vielleicht besten Football der gesamten Saison. Knights-Spielmacher Cedric Townsend, der die frühe Phantoms-Führung durch Thomas Hogue zum 7:0 noch mit gut vorgetragenem Passsspiel und dem Zuspiel auf Timothy Knüttel zum Anschluss-Touchdown zu beantworten wusste, wurde im weiteren Verlauf der Partie zum Gejagten. Lediglich ein Mal noch brachte er seine Franken in Punktereichweite, was von Kicker Christian Wischgoll auch genutzt wurde. Über 38 Yard Distanz bescherte er mit seinem Field Goal den Gastgebern die erste und einzige Führung im Spiel. Anschließend übernahmen die Phantoms die Regie über das Geschehen, marschierten ihrerseits zu drei weiteren Touchdowns, während den Rothenburger Rittern von der Wiesbadener Verteidigung komplett der Schneid abgekauft wurde. Dominik Voigtländer mit einem fulminanten Lauf über 46 Yards, erneut Thomas Hogue über 24 Yards Distanz und schließlich Robin Bräuer nach einem Pass von Guido Reuels stellten mit ihren Touchdowns die 27:9 Halbzeitführung her. Eine Führung, die leicht hätte höher ausfallen können, wenn Kicker-Routinier Peter Müller nicht einen rabenschwarzen Tag erwischt hätte. Einen kurzen Field Goal-Versuch aus 22 Yards und einen Extrapunkt setzte er bis zur Pause knapp neben die Stangen. „Ich weiß nicht, woran es lag. Ich fühlte mich gut, die Abläufe bei den Kicks stimmten. Ich ärgere mich maßlos“, gab sich der 51-Jährige selbstkritisch.
So keimte auf Seiten der Gastgeber nach der Halbzeit noch einmal kurz Hoffnung auf. Begünstigt durch einen Phantoms-Fehler beim Punt, der ihnen das Angriffsrecht auf der Wiesbadener 20 Yard-Linie bescherte. Einmal mehr das Duo Townsend und Knüttel und es stand Mitte des dritten Viertels nur noch 27:16. In der jüngsten Vergangenheit wäre dies das Signal zur kollektiven Nervosität auf Seiten der Phantoms gewesen. Doch diesmal bewiesen Spielmacher Guido Reuels und seine Mannen Nervenstärke. Zielstrebig marschierte man über das Feld und Thomas Hogue erlief mit Beginn des vierten Spielviertels aus kurzer Distanz seinen dritten Touchdown des Tages zum 33:16. Wehrmutstropfen: Auch hier misslang der Extrapunkt.
Dem Kicker-Dilemma passten sich allerdings auch die Knights an und vergaben nach dem letzten Touchdown des Tages, Townsend fand Jo Joyner über 28 Yards Distanz, ihrerseits den Extrapunkt, der die Phantoms-Führung auf zehn Punkt hätte schrumpfen lassen. Malte Hennings blieb es schließlich vorbehalten, mit seiner Interception eine halbe Minute vor Schluss den Sieg endgültig unter Dach und Fach bringen. Stellvertretend für seine Mitspieler aus der Defense, die nennenswertes Laufspiel der Knights gar nicht erst zuließen und den agilen Spielmacher Townsend bei nahezu jedem Spielzug in arge Bedrängnis brachte.
„Die überzeugende Vorstellung unserer Verteidigung hat heute den Grundstein für den Sieg gelegt. Allen Versäumnissen auf eine höhere Punkteausbeute zum Trotz bin ich mit dem Auftritt der Mannschaft sehr zufrieden. Es war ein gutes Spiel gegen einen guten Gegner, der zu keinem Zeitpunkt den Kopf in den Sand steckte. Obwohl es sportlich für die Knights ja um nicht mehr viel geht. Ich bin mir sicher, dass wir im kommenden Jahr die Serie spannender Spiele gegen unsere Erzrivalen in der GFL fortsetzen können. Auch wenn wir um den Klassenerhalt gegen starke Allgäuer kämpfen müssen. Der heutige Auftritt wird uns Selbstbewusstsein geben und motivierend für die ungewollte Saisonverlängerung sein“, so Sven Gloss nach dem Spiel in der Abenddämmerung in Rothenburg.
Die Mitglieder des Fanclubs „Phanatics“, die alljährlich das Spiel in Rothenburg für ein gesamtes Wochenende im schönen Städtchen an der Tauber nutzen, werden es der Mannschaft sicherlich danken, wenn sie auch im nächsten Jahr diese liebgewonnene Tradition aller sportlichen Rivalität zum Trotz weiterführen können.
Am kommenden Samstag empfangen die Phantoms um 18:00 Uhr im Helmut-Schön-Sportpark die Marburg Mercenaries zum letzten Auftritt der regulären Saison, bevor am 21. September an gleicher Stelle das Relegationshinspiel gegen die Allgäu Comets stattfinden wird. Nach Kempten geht es dann am ersten Oktoberwochenende.
