Stattdessen musste die Wiesbadener Anhängerschar erneut miterleben, wie sich die Phantoms nach starkem Beginn im ersten Spielviertel erneut die Butter vom Brot nehmen ließen und nach nur drei Spieltagen das Ziel der Playoff-Teilnahme endgültig in eine in der aktuellen Form unerreichbare Ferne gerückt ist.
So fand auch Cheftrainer Sven Gloss im Anschluss an das durch eine hohe Fehlerquote und zahlreiche Ballverluste geprägte Spiel wenige Worte: „Da muss ich erst mal eine Nacht drüber schlafen und mich dann zusammen mit dem Trainerstab an die Analyse machen!“ Ein Spielviertel lang bot seine Truppe ansehnlichen Sport, führte nach zwei Touchdown-Pässen von Kevin Brüngel auf Willie Milhouse mit 14:7 (Extrapunkte durch Peter Müller), bevor die Mannschaft erneut von Ihrer „Seuche“ (Gloss) in Form von Undiszipliniertheiten und Konzentrationsmängeln heimgesucht wurde.
Den gastgebenden Hurricanes genügte eine über weite Strecken solide Leistung auf offensiver und defensiver Seite sowie drei „Big Plays“ ihres agilen Ballträgers Andre Buford, der alle Touchdowns der Saarländer erlief. So auch den, der das Spiel eine halbe Minute vor Schluss entschied, nachdem ein erneutes Missverständnis zwischen Kevin Brüngel und seinen Passempfängern zur vierten und kostspieligsten Interception des Tages führte und die Gastgeber in aussichtsreicher Position in Ballbesitz brachte.
„Neutrale Beobachter könnten der Mannschaft unterstellen, gar nicht gewinnen zu wollen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Vielleicht löst dieser unbedingte Wille die Verkrampfungen im Spiel aus, die wir schon zum dritten Mal in Folge feststellen müssen“, suchte Gloss dann doch noch nach einer Erklärung für die Krise, die nun nicht mehr von der Hand zu weisen ist. Die verletzungsbedingt ohnehin ausgedünnte Offensive Line musste den Verlust von Youngster Oskar Kottwitz wegen eines berechtigten Platzverweises hinnehmen. Quarterback Guido Reuels saß verletzt in der Coaching Box und auch Passverteidiger Fabian Klaas musste schon früh im Spiel wegen einer Verletzung aufgeben. Personelle Engpässe, die Gloss zwar nicht als Erklärung und Alibi gelten lassen will, die aber in den nächsten Trainingseinheiten viel Arbeit erfordern, um die entstandenen Lücken zu füllen.
Zudem wird mentale Aufbauarbeit gefragt sein. Denn eine der wenigen positiven Erkenntnisse, die man als Fan, Spieler und Trainer der Phantoms aus Saarbrücken mit nach Hause nehmen kann, ist offenbar auch das Damokles-Schwert, unter dessen Druck die Mannschaft derzeit leidet: Eigentlich können sie es. Für das bevorstehende Spiel bei den Stuttgart Scorpions (27:38 in Marburg) am kommenden Wochenende muss am Abbau dieses Drucks, dieser offensichtlichen Belastung gearbeitet werden. „Wir denken nun von Spiel zu Spiel. Noch sind gerade einmal drei Spieltage absolviert. Wir haben noch elf Begegnungen Zeit, uns selbst aus dieser misslichen Lage zu befreien.“ So ganz möchte sich Sven Gloss dann doch nicht mit der Ratlosigkeit abfinden, die er unmittelbar nach Spielende noch verspürte.
