Mit dem Team, das den ‚big apple“ nicht wegen seiner Heimat, sondern wegen des Hauptsponsors im Namen trägt, kommt ein extrem unangenehmer Gegner. „Auch wenn sie zuletzt vor allem in der Offense nicht wirklich überzeugen konnten, sind die Braunschweiger nicht zu unterschätzen“, warnt Panther-Headcoach Martin Hanselmann seine Schützlinge, „das ist eine erfahrene Truppe mit einer starken Defense. Um eine Siegchance zu haben, müssen wir uns auf unser Spiel konzentrieren und da weitermachen, wo wir vor der WM-Pause aufgehört haben.“ Was hieße: Starke Abwehr und variables Angriffsspiel mit einem selbstbewusst auftrumpfenden Quarterback Robert Demers.
Etwas dagegen haben die Lions, die sich am Sonntag bereits um sieben Uhr in der Frühe auf den Weg nach Düsseldorf machen wollen. Sie gehören seit 15 Jahren zu den besten Mannschaften nicht nur der German Football League, sondern Europas und sind immerhin mit sieben Titelgewinnen noch vor unseren Panthern, die das ‚nur‘ sechsmal geschafft haben, deutscher Rekordmeister. Außerdem haben die Lions zwischen 1997 und 2008 elfmal in Folge im deutschen Endspiel gestanden und 1999 und 2003 auch zweimal den Eurobowl gewonnen. Nach dem siebten deutschen Meistertitel setzte vor drei Jahren allerdings der irgendwann unvermeidliche Umbruch ein. 2009 verpassten die Lions sogar als Tabellenfünfter die Play-offs, im vergangenen Jahr waren im Viertelfinale die Marburg Mercenaries beim 21:31 die Endstation aller Ambitionen.
Die Bilanz dieser Saison sieht mit drei Erfolgen, einmal gegen Dresden und zweimal gegen das sieglose Schlusslicht Essen, und vier Niederlagen, zweimal gegen Mönchengladbach sowie in Berlin und am vorigen Sonntag in Stuttgart, bestenfalls halbwegs positiv aus. Das Problem: Die Braunschweiger Defensive funktioniert, aber in der Offense läuft nicht viel zusammen. Bezeichnend die Formkrise von Quarterback Dennis Zimmermann: im Sommer 2010 war der Lions-Spielmacher noch beim EM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft zum ‚wertvollsten Spieler‘ gekürt worden, dieses Jahr sagte er seine Teilnahme an der WM in Österreich ab, da er nicht in der Lage sei, „eine Leistung zu bringen, die dem Team weiterhelfen“ könne. Zusätzlicher Nachteil, dass mit Hemaseh Heidary, der nicht zuletzt aus beruflichen Gründen nach Kiel wechselte, und US-Boy DeMario Jones, der es nicht schaffte, sich an das Leben in der niedersächsischen Provinz zu gewöhnen und in seine Heimat zurückgekehrt ist, zwei Wide Receiver Braunschweig verlassen haben. So ruhen die Hoffnungen auf zwei Rückkehrern.
Mike Friese, einst als eines der größten deutschen Quarterback-Talente gehandelt, feierte in der zweiten Hälfte beim 0:24 in Stuttgart nach fünfjähriger, krankheitsbedingter Pause sein GFL-Comeback. Und mit Sören Wendland verstärkt ein 2-Meter-Koloss, der vier Jahre mit viel Erfolg bei der Liberty University im US-Bundesstaat Virginia gespielt hat und hinter dem die halbe GFL her war, die verletzungsgebeutelte Offenselinie. Noch nicht dabei ist Cale Fisher. Der Amerikaner bekam vom zuständigen niedersächsischen Verband die bei Vereinswechseln übliche Sperre von fünf Spielen, da er in diesem Jahr bereits in der amerikanischen IFL aktiv war. Was die Lions vielleicht sogar mehr als nur wein wenig ärgert: die Dresden Monarchs und die Marburg Mercenaries erhielten von ihren jeweiligen Landesverbänden für genauso vorbelastete ehemalige IFL-Akteure eine sofortige Spielberechtigung.
Die Panther hoffen, dass das kein böses Omen ist: Bereits zehn Jahre ist es her, dass die Düsseldorfer ihren bis heute letzten Sieg gegen die Braunschweig Lions bejubeln durften. Im Sommer 2001 ging das Duell der Raubkatzen mit 31:21 an die Rheinländer. Die nur fünf Begegnungen seit dem gingen allesamt an die Niedersachsen, genau wie die Gesamtbilanz deutlich für den Rekordmeister Lions spricht: In 21 Duellen gab es für die Panther nur acht Siege bei einem Gesamt-Punkteverhältnis von 408:709!
Sorgen macht auch den Düsseldorfern ihre personelle Situation: Mit Nationalspieler Sebastian Schönbroich (Schulter) und Florian Klingner (Mittelhandbruch) fallen gleich zwei Defensive Backs verletzt aus. „Da müssen die jungen Back-ups in die Bresche springen“, sagt Hanselmann, „sie kriegen jetzt ihre Bewährungschance, ich hoffe, dass sie sie nutzen.“ Neben Youngster Marvin Heck werden auch Christian Sitterz, Christian Buchholtz und Paul Merten mehr Verantwortung übernehmen müssen: „Sie haben gezeigt, dass sie es können.“
Im Angriff fehlt vor allem Dominic Hanselmann: Der Wide Receiver, Nationalspieler und Trainersohn war beim 19:24 in Mönchengladbach des Feldes verwiesen worden und muss nun gegen die ‚Löwen‘ ein Spiel Sperre abbrummen. Was die Aufgabe für die Offense zudem erschwert: „Der Wieder-Einstieg ins Training hat nicht ganz so geklappt, wie ich mir das vorgestellt hatte“, gibt Headcoach Hanselmann zu. Der Urlaub einiger Akteure und vor allem auch die extreme Belastung der Nationalspieler ließen (zu) lange keine optimale Vorbereitung zu. „Ich hoffe, dass wir trotzdem unseren Spielrhythmus finden.“
Nach den unzähligen Stunden, die sie im Juni auf dem Weg zu und von den Auswärtsspielen im Bus verbracht haben, freuen sich alle Panther aber, endlich wieder zu Hause spielen zu können. „Das ist immer etwas Besonderes, das wollen wir genießen“, sagt der Cheftrainer, der natürlich auch auf die Unterstützung der Düsseldorfer Fans setzt. „Ich bin sicher, sie werden uns helfen, wenn es nicht von Beginn an perfekt laufen sollte. Und wir werden alles tun, damit der Funke vom Spielfeld auf die Tribünen überspringt.“
