Nach nur einer Saison im Unterhaus ist auch die zweite Kraft des Berliner Footballs wieder erstklassig – und das in doppeltem Sinne. Denn die Rebels sind bislang deutlich stärkster der drei GFL-Aufsteiger im Norden und liegen mit 8:8 Zählern im gesicherten Tabellenmittelfeld und können mit nur einem Minuspunkt mehr als die Düsseldorfer sogar mit berechtigter Hoffnung Richtung Play-offs schielen. Schließlich können sie – außer den Panthern – auch die Dresden Monarchs noch aus eigener Kraft von einem Platz unter den Top vier verdrängen. Lediglich im Heimspiel gegen Spitzenreiter Kiel Baltic Hurricanes kassierten die Rebellen bisher beim 10:30 eine deutliche Niederlage, wie das 23:28 in Kiel waren auch die beiden anderen Niederlagen mit 16:17 im Hauptstadt-Derby gegen die Adler und mit 27:28 in Dresden ausgesprochen knapp.
Auf der anderen Seite setzten sich die Rebels, die dem traditionsreichen SC Charlottenburg, dem Verein des frisch gebackenen Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting, angehören, bei ihren jeweils zwei Aufeinandertreffen mit den beiden Mit-Aufsteiger Hamburg Blue Devils (39:0, 33:7) und Lübeck Cougars (38:7, 42:7) geradezu spielerisch leicht und überaus deutlich durch. Das Erfolgsgeheimnis der Trainer-Crew um Headcoach, Offense Coordinator und Ex-NFL Europa-Runningback Kim Kuci und Defense Coordinator Javier Cook ist simpel: Eine aggressive, nur schwer zu knackende Defense und herausragende Special Teams schaffen die entscheidende Entlastung für den soliden Angriff. Mit Rebels-Urgestein (und Ex-NFLE-Profi) Patrick Finke kehrte einer der besten deutschen Quarterback-Jäger nach Berlin zurück, daneben setzen vor allem die Linebacker Rory Johnson, Phil Urlacher (ein Cousin des NFL-Stars der Chicago Bears) und Paul Mehling die gegnerischen Angreifer unter Dauerdruck. Sichtbares Ergebnis: Die Rebels führen mit nur 261,5 zugelassenen Yards und nicht einmal 16 zugelassenen Punkten pro Spiel so ziemlich jede Defense-Statistik der GFL an. Zum Vergleich: Die Panther kassieren durchschnittlich 372,2 Yards und 31 Zähler! „Die haben die beste ‚Box‘ in Deutschland“, lobt Panther-Offenseliner Raphael Llanos-Farfan die Innenverteidigung der Berliner.
In der Offense kam mit Samuel Shannon von Süd-Aufsteiger Rhein-Neckar Bandits einer der talentiertesten deutschen Runningbacks an die Spree, mit Quarterback Darius Outlaw, Wide Receiver Jason Horton und ‚Allzweckwaffe‘ Brian Amaral verfügt das Team zudem über drei erfahrene US-Akteure. Wie wichtig für Coach Kuci und seine Kollegen die Special Teams sind, zeigt die Tatsache, dass mit Matthew Evensen ein US-Kicker und Punter verpflichtet wurde, der bei den Oregon Ducks auf höchstem College-Niveau gekickt hat. Der 26-Jährige versemmelte zwar beim 16:17 im Derby einen (ein Remis kostenden) Extrapunkt, hat sich aber inzwischen nicht nur als bester Punter der GFL etabliert, sondern auch noch kein Fieldgoal von weniger als 50 Yards ausgelassen!
So wird es für die Gäste im altehrwürdigen Mommsenstadion, in dem 1987 vor mehr als 18.000 Fans das einzige ausverkaufte deutsche Football-Endspiel ausgetragen wurde, vor allem darauf ankommen, ihr Angriffsspiel zu etablieren. In Lübeck zeigte sich die umformierte Offenseline mit Peter Mayer als Center und Florian Pawlik als rechtem Tackle bereits deutlich verbessert. Auch wenn Marius Mohr ein tolles GFL-Debüt feierte, hängt für die Stabilität der Linie eine Menge davon ab, ob Patrick Neff wieder mitmischen kann. Die genaue Untersuchung ergab zwar, dass die Bänder im linken Knie heil geblieben sind, trotzdem ist der 140-Kilo-Koloss durch die äußerst schmerzhafte, schwere Prellung des Schienbeinköpfchens stark eingeschränkt. Auf keinen Fall dabei sind Cornerback Denis Odenhoven, dessen verletzte Schulter nächsten Mittwoch operiert wird, und Runningback Soichiro Tsukuda wegen seiner Sprunggelenkverletzung.
Die Stimmung im Team, die nach dem 29:29 im Heimspiel gegen die Cougars ziemlich am Boden war, ist inzwischen bestens. „Wir haben uns einfach zusammengerauft“, erklärt Llanos-Farfan, der mit 149 auf 202 Zentimeter Größe verteilten Kilos längster und schwerster Angriffsspieler der Panther ist: „Wir haben gesagt, wir blenden alle Probleme aus, arbeiten und trainieren hart weiter und versuchen, den Rest des Jahres so viel Spaß wie möglich miteinander zu haben, dann kommt auch der Erfolg von alleine wieder.“ Beim 51:27 in Lübeck war die neue Spielfreude der Raubkatzen bereits zu sehen, bei den Rebels steht nun eine „sicherlich viel schwerere Auseinandersetzung“ (Llanos-Farfan) an: „Das wird ein Schlüsselspiel für die letzten vier Wochen der regulären Saison.“
Bereits Samstagnachmittag machen sich die Panther per Bus auf den Weg nach Berlin – ein untrügliches Zeichen, wie wichtig das erste von – wie die Panther hoffen mindestens – zwei Gastspielen in der Hauptstadt ist. Allerdings müssen beruflich bedingt fast ein Dutzend der Düsseldorfer Spieler am Sonntagmorgen hinterherfahren. „Das ist eben so im Football in Deutschland, damit müssen und werden wir klar kommen“, sagt Headcoach James Jenkins nur gelassen.
