Zwar bleibt das
Testspiel der Dresden Monarchs gegen den amtierenden süddeutschen
Meister, die Marburg Mercenaries, ein Muster ohne großen Wert. Die
gewonnen Erkenntnisse jedoch könnten vor allem den Defensiv-Bemühungen
der Königlichen in den kommenden Wochen enorm entgegen kommen. Denn
auch wenn der Angriff der Goldenen an diesem denkwürdigen Nachmittag
eine absolute Glanzleistung zeigte, stolperte ihr Gegenstück, die
Verteidigung, mehr schlecht als recht über 100 Yards Footballgrün.
Jedoch kein Grund für Sorgenfalten. Noch bleiben drei Wochen bis zum
ersten GFL-Saisonspiel gegen die Kiel Baltic Hurricanes (23. Mai,
Heinz-Steyer-Stadion, Kickoff: 15 Uhr).
Nach diesem Spiel haben sich die Dresden Monarchs den Jubel der Fans
sowie eine kurze Verschnaufpause vor der nächsten Trainingseinheit
verdient. 70 Zähler produziert. Nur 50 im Gegenzug kassiert. Nicht
oft erleben Footballer wie Fans einen solch Punktereichen Tag. Dabei
fing alles so unscheinbar an. Nur wenige Sekunden blieben die Monarchs
nach dem Kickoff der Gäste am Ball. Die Defensive der Marburger
funktionierte, schnitt Lauf- wie Passwege der Sachsen konsequent ab.
Ein Punt, das Wegkicken des Spielballes und damit die Abgabe des
Angriffsrechts, blieb Dresden als einzig, mögliche Lösung. Es sollte
der letzte reguläre Punt der Monarchs bleiben Ein Novum! Doch noch
ahnte niemand, was offensiv nun folgen sollte. Vorerst machte auch
Dresdens Verteidigung ihren Job. Gelang es dem goldenen Puntteam die
Marburger bis wenige Zentimeter vor ihre eigene Endzone zu drängen,
legte die Defensive um Neuverpflichtung Jared Dumm nun nach. Noch in
der Endzone der Mercenaries brachten die Dresdner Verteidiger den
gegnerischen Ballträger zu Fall. Die ersten zwei Punkte gingen damit
auf das Konto der Sachsen-Defensive (2 Punkte Sebastian Kretzschmar).
Die kommenden 68 gehörten ausschließlich der Elbsächsischen
Angriffsmaschinerie.
Immer wieder drängten die offensiv ausgerichteten Spezialteams
(Kickoff- und Punt-Teams) beider Mannschaften ihre Gegner weit zurück.
Gelang es nur den Monarchs im ersten Viertel diese hervorragenden
Ausgangspositionen auch in Punkte (6 Pkt. Jared Dumm, 8 Michael
Andrew) umzumünzen, griffen die Marburger Söldner erst zu Beginn des
zweiten Viertels und beim Stand von 16:0 merkbar ins Spielgeschehen
ein. Von diesem Punkt an wurden die 1.260 Football-Fans im Steyer-
Stadion von beiden Kadern blendend unterhalten. Variables Passspiel
wechselte sich mit kraftvollen Läufen ab. Beide Mannschaften bewiesen,
dass ihre Angriffsreihen zweifelsohne Potenzial besitzen, ihre Taktik
Angriffsfootball heißt. Nach den zwölf Spielminuten des zweiten
Viertels standen weitere 33 Punkte für Dresden und ganze 28 für
Marburg zu Buche. Bereits zur Halbzeit prangten damit 49 Punkte für
die Monarchs und 28 für die Mercenaries auf der Anzeigentafel. Ein
Stand, der normaler Weise eine erfolgreiche geführte Partie krönt,
nicht zwei Viertel.
Und auch im zweiten Spielabschnitt blieben beide Teams dem bis dahin
gezeigten treu. Zielsicher Würde. Bestens vorbereitete Läufe. Alles
trickreich variiert. Allein die Abwehrarbeit ließ zu wünschen übrig.
Zu einfach fielen die Punkte. Ein ums andere Mal rollten die
Offensivabteilungen beider Mannschaften über ihre Gegner hinweg. Vor
allem Neu-Monarch und Quarterback Kyle Israel (8 Touchdown-Pässe
Vereinsrekord!), Widereceiver Radko Zoller (4 Touchdowns) und
Runningback Michael Andrew (3 Touchdowns) machten es den Mercenaries
schwer. Auf Seiten der Gäste war es wieder und wieder Runningback Sean
Cooper (bester Runningback der vergangenen Saison), der für die
entscheidenden, großen Raumgewinne sorgte. Fast bescheiden wirkten da
die 7:7 Punkte des dritten und 14:15 Punkte des letzten Viertels.
Weitaus mehr wäre möglich gewesen. Doch längst spielten die zweiten
und dritten Reihen der Sachsen und Hessen.
So überragend das Endergebnis von 70:50 Punkten auch wirken mag, so
wenig sollte sich Fans wie Spieler davon blenden lassen. Erst die
bevorstehenden, schweren Ligaspiele gegen Kontrahenten wie
Braunschweig, Kiel und Berlin werden zeigen, aus welchem Holz der
2009er Kader der Monarchs besteht. Weder Verletzungen noch Krankheiten
kann sich Dresdens Football-Erstligist erlauben, soviel ist sicher.
Alles Weitere liegt in den Händen einer zweifelsohne talentierten und
bestens gelaunten Mannschaft. Viel ist möglich, kommt nicht all zu
viel dazwischen.
