Rekordspiel begeistert Dresdner Football-Fans

Begeisterung auf den Rängen. Ungläubiges Kopfschütteln auf dem Rasen. Niemand im mit 1.260 Zuschauern gefüllten Heinz-Steyer-Stadion hätte diesen Spielverlauf am frühen Sonnabend zu prognostizieren gewagt. Kein Wunder, dass sich nicht wenige nach 48 effektiven Spielminuten verwundert die Augen rieben.

Zwar bleibt das  
Testspiel der Dresden Monarchs gegen den amtierenden süddeutschen  
Meister, die Marburg Mercenaries, ein Muster ohne großen Wert. Die  
gewonnen Erkenntnisse jedoch könnten vor allem den Defensiv-Bemühungen  
der Königlichen in den kommenden Wochen enorm entgegen kommen. Denn  
auch wenn der Angriff der Goldenen an diesem denkwürdigen Nachmittag  
eine absolute Glanzleistung zeigte, stolperte ihr Gegenstück, die  
Verteidigung, mehr schlecht als recht über 100 Yards Footballgrün.  
Jedoch kein Grund für Sorgenfalten. Noch bleiben drei Wochen bis zum  
ersten GFL-Saisonspiel gegen die Kiel Baltic Hurricanes (23. Mai,  
Heinz-Steyer-Stadion, Kickoff: 15 Uhr).


Nach diesem Spiel haben sich die Dresden Monarchs den Jubel der Fans  
sowie eine kurze Verschnaufpause vor der nächsten Trainingseinheit  
verdient. 70 Zähler produziert. „Nur“ 50 im Gegenzug kassiert. Nicht  
oft erleben Footballer wie Fans einen solch Punktereichen Tag. Dabei  
fing alles so unscheinbar an. Nur wenige Sekunden blieben die Monarchs  
nach dem Kickoff der Gäste am Ball. Die Defensive der Marburger  
funktionierte, schnitt Lauf- wie Passwege der Sachsen konsequent ab.  
Ein Punt, das Wegkicken des Spielballes und damit die Abgabe des  
Angriffsrechts, blieb Dresden als einzig, mögliche Lösung. Es sollte  
der letzte reguläre Punt der Monarchs bleiben – Ein Novum! Doch noch  
ahnte niemand, was offensiv nun folgen sollte. Vorerst machte auch  
Dresdens Verteidigung ihren Job. Gelang es dem goldenen Puntteam die  
Marburger bis wenige Zentimeter vor ihre eigene Endzone zu drängen,  
legte die Defensive um Neuverpflichtung Jared Dumm nun nach. Noch in  
der Endzone der Mercenaries brachten die Dresdner Verteidiger den  
gegnerischen Ballträger zu Fall. Die ersten zwei Punkte gingen damit  
auf das Konto der Sachsen-Defensive (2 Punkte Sebastian Kretzschmar).  
Die kommenden 68 gehörten ausschließlich der Elbsächsischen  
Angriffsmaschinerie.


Immer wieder drängten die offensiv ausgerichteten Spezialteams  
(Kickoff- und Punt-Teams) beider Mannschaften ihre Gegner weit zurück.  
Gelang es nur den Monarchs im ersten Viertel diese hervorragenden  
Ausgangspositionen auch in Punkte (6 Pkt. Jared Dumm, 8 Michael  
Andrew) umzumünzen, griffen die Marburger Söldner erst zu Beginn des  
zweiten Viertels und beim Stand von 16:0 merkbar ins Spielgeschehen  
ein. Von diesem Punkt an wurden die 1.260 Football-Fans im Steyer-
Stadion von beiden Kadern blendend unterhalten. Variables Passspiel  
wechselte sich mit kraftvollen Läufen ab. Beide Mannschaften bewiesen,  
dass ihre Angriffsreihen zweifelsohne Potenzial besitzen, ihre Taktik  
Angriffsfootball heißt. Nach den zwölf Spielminuten des zweiten  
Viertels standen weitere 33 Punkte für Dresden und ganze 28 für  
Marburg zu Buche. Bereits zur Halbzeit prangten damit 49 Punkte für  
die Monarchs und 28 für die Mercenaries auf der Anzeigentafel. Ein  
Stand, der normaler Weise eine erfolgreiche geführte Partie krönt,  
nicht zwei Viertel.


Und auch im zweiten Spielabschnitt blieben beide Teams dem bis dahin  
gezeigten treu. Zielsicher Würde. Bestens vorbereitete Läufe. Alles  
trickreich variiert. Allein die Abwehrarbeit ließ zu wünschen übrig.  
Zu einfach fielen die Punkte. Ein ums andere Mal rollten die  
Offensivabteilungen beider Mannschaften über ihre Gegner hinweg. Vor  
allem Neu-Monarch und Quarterback Kyle Israel (8 Touchdown-Pässe –  
Vereinsrekord!), Widereceiver Radko Zoller (4 Touchdowns) und  
Runningback Michael Andrew (3 Touchdowns) machten es den Mercenaries  
schwer. Auf Seiten der Gäste war es wieder und wieder Runningback Sean  
Cooper (bester Runningback der vergangenen Saison), der für die  
entscheidenden, großen Raumgewinne sorgte. Fast bescheiden wirkten da  
die 7:7 Punkte des dritten und 14:15 Punkte des letzten Viertels.  
Weitaus mehr wäre möglich gewesen. Doch längst spielten die zweiten  
und dritten Reihen der Sachsen und Hessen.


So überragend das Endergebnis von 70:50 Punkten auch wirken mag, so  
wenig sollte sich Fans wie Spieler davon blenden lassen. Erst die  
bevorstehenden, schweren Ligaspiele gegen Kontrahenten wie  
Braunschweig, Kiel und Berlin werden zeigen, aus welchem Holz der  
2009er Kader der Monarchs besteht. Weder Verletzungen noch Krankheiten  
kann sich Dresdens Football-Erstligist erlauben, soviel ist sicher.  
Alles Weitere liegt in den Händen einer zweifelsohne talentierten und  
bestens gelaunten Mannschaft. Viel ist möglich, kommt nicht all zu  
viel dazwischen.