Überraschungssieg bringt Playoff-Platz

Als Hauptschiedsrichter Lars Gitting um 20.28 Uhr den Ball zum letzten Mal in die Höhe hielt, waren drei Dinge perfekt: Die Berlin Adler hatten die Lions aus Braunschweig überraschend mit 34:26 bezwungen und sich damit nicht nur den begehrten Playoff-Platz gesichert, sondern auch das andere Berliner GFL-Team endgültig hinter sich gelassen.

Die Berlin Adler haben in ihrem Spiel gegen die Lions mehrere Dinge gezeigt – und auch für Verwunderung gesorgt. Denn der Sieg der Schwarz-Gelben hat gezeigt, dass auch an der Oker nur mit Wasser gekocht wird und die scheinbar übermächtigen Löwen auch verwundbar sind. Viel war spekuliert worden, wie hoch der Sieg der Gäste ausfallen würde. Doch O-Liner Patrick Neff hatte schon vor der Partie prophezeit, dass es durchaus einen Erfolg für die Heimmannschaft geben kann, dass es aber eine enge Kiste sein würde. Und genau so kam es dann auch. Die Lions, die entgegen allen Vermutungen nicht mit ihren Back-Ups im Jahn-Stadion angetreten waren, mussten von Beginn an einem Rückstand hinterher laufen. Eine Situation, die man in diesem Jahr nur einmal erlebt hatte.


Neben der Tatsache, dass Braunschweig, schlagbar ist, war es vor allem die zum einen disziplinierte, zum anderen effektive Spielweise der Adler, die für überraschte Gesichter sorgte. In der Offense macht es sich immer mehr bemerkbar, dass die Angriffsreihe um QB Kevin Ramay immer variabler wird und schwerer auszurechnen ist. Drei der ersten vier Drives wurden dann auch von RB Larry Croom jeweils mit einem Touchdown abgeschlossen. „Ich will mich nicht raus reden, aber so fit wie heute war ich die gesamte Saison nicht. Die Coaches haben mir immer wieder vertraut. Jetzt finde ich endlich wieder zu meiner alten Form zurück“, freute sich Croom nach seinem wohl besten Spiel in dieser Saison. „Die Offense Line hat sehr gut gespielt und mir auch die Löcher aufgemacht.“


Ein wesentlicher Faktor im Spiel der Adler während der gesamten Saison waren die mentalen Aussetzer, die oft in sinnlosen Fouls endeten. Auch zeigte sich die Mannschaft von Head Coach Wanja Müller gegen die Lions von einer gänzlich anderen Seite. Unnötige Strafen waren Mangelware an diesem Abend. Allerdings gab es immer noch mentale Aussetzer kurz vor und kurz nach der Halbzeitpause, die dann auch postwendend von den Gästen aus der Löwenstadt mit zwei Touchdowns bestraft wurden. Doch das Heimteam blieb weiter ruhig. Nur auf Seiten der Braunschweiger fielen ein paar Akteure immer wieder und immer unangenehmer auf, je sicherer die erste Saisonniederlage sich abzeichnete. „Wir haben heute gezeigt, was wir drauf haben, dass wir in der Lage sind, in der Liga jeden zu schlagen“, freute sich DB Sebastian Karl nach dem Match. „Wir waren disziplinierter, haben konzentrierter gespielt und einfach mal die Fehler abgestellt.“


Wichtig aus Sicht der Hausherren war aber auch, dass die Lions nicht mit ihren Back-Ups angetreten sind, sondern von Beginn an auf ihre ersten Reihen gesetzt haben. „Das war unsere größte Befürchtung, dass Braunschweig nicht mit den Startern anfängt. Wir haben heute unser Potential abgerufen. Das Ding war: wir haben keine Strafen gemacht. Wir haben natürlich Fehler gemacht, die mich auch ziemlich geärgert haben“, sagte Defensive Coordinator Thomas Breddermann nach dem Spiel. „Wir haben jetzt neun Trainingseinheiten vor uns, die wir absolut nutzen müssen. Wir spielen immer am Limit“, erklärt Breddermann im Hinblick auf die Playoffs, die nun definitiv erreicht sind – und wahrscheinlich eine Fahrt nach Schwäbisch Hall beinhaltet.