Eines wurde beim Jubel über den hart erkämpften 48:37-Erfolg in Marburg fast vergessen: Gleichzeitig hatten sich die Unicorns vorzeitig für die Play-Offs qualifiziert – eine minimale Chance bestand, dass die Verfolger den Deutschen Meister noch aus den ersten vier Rängen verdrängen. Mit dem Sieg löste sich diese in Luft auf.
Unter zwei Voraussetzungen können die Schwäbisch Hall Unicorns am Samstag schon den nächsten Schritt machen: Die Konkurrenten aus Mannheim, die mit dem Ex-Haller Marco Ehrenfried momentan auf Rang zwei liegen, müssen verlieren. Gleichzeitig muss Hall mindestens ein Unentschieden einfahren. Gelingt das, ist den Unicorns der Südmeister-Titel schon sicher. „Das werde ich im Training sicher mal ansprechen“, so Head Coach Siegfried Gehrke in Bezug auf die Möglichkeit, das Play-Off-Heimrecht schon vorzeitig zu sichern. „Das ist zusätzliche Motivation.“
Doch an der Motivation sollten die TSG-Footballer gerade in Rothenburg nicht scheitern. Nach einer siebenjährigen Pause treten die Haller wieder im Städtischen Stadion zu Rothenburg an. Mit Maximilian Ilgner, Thomas Rauch und Oliver Radke lassen sich gleich drei ehemalige Knights im Unicorns-Trikot finden und erleben so ihre ehemalige Wirkungsstätte zum ersten Mal als Gast. Über viele Jahre lieferten sich die beiden Teams heiße Derbys um die Vorherrschaft in der Region Hohenlohe-Franken – bis Rothenburg 2004 den Gang in die zweite Liga antrat.
Jetzt sind die Knights zurück in der 1. Bundesliga und legten als Aufsteiger einen guten Start in der GFL hin. Momentan stehen sie in der Südgruppe auf Platz vier und haben damit noch alle Chancen, die Play-Offs zu erreichen. Dafür dürfen sie sich in den drei ausstehenden Spielen aber nicht mehr allzu viele Patzer leisten.
Aushängeschild der Rothenburger ist, wie auch beim Konkurrenten aus Hall, die Offense. Quarterback Cedric Townsend führt die Statistik der GFL im Bereich Passing-Yards mit 330 pro Spiel sogar vor Jake Spitzlberger (325) an und konnte schon im Hinspiel beim 70:39-Sieg der Unicorns seine Qualitäten unter Beweis stellen. Doch noch ist unklar, ob der Amerikaner überhaupt einsatzfähig ist. In der Partie gegen die Wiesbaden Phantoms zog sich Townsend eine Knieverletzung zu – Gerüchten zufolge wird er auch am Samstag trotz der einwöchigen Spielpause ausfallen. Das würde noch weitere Probleme nach sich ziehen. Denn als Ersatz für Townsend müsste Jo Joyner agieren. So würde den Rothenburgern im Spiel gegen den Tabellenführer auch noch ihr bester Passempfänger fehlen. „Es hängt viel davon ab, ob Townsend spielt“, sagt Gehrke voraus. Ohne ihn und damit ohne starken Angriff werden es die Knights schwer haben, denn die Defense ist der wunde Punkt der Mannschaft und belegt den letzten Platz unter allen GFL-Verteidigungen. Der Haller Head Coach ist gespannt, wie die Abwehr spielen wird. Im Hinspiel jedenfalls „konnten sie gar nichts stoppen“, die Unicorns-Offense um Spitzlberger konnte schalten und walten, wie es ihr beliebte.
Doch in Bestbesetzung kann der Favorit nicht antreten. Weiterhin bleibt die Offensive Line das Sorgenkind des Meisters. Immerhin Center Kevin Becker wird wieder zum Team stoßen. Gabriel Erlers Einsatz bleibt fraglich. Da sich in Marburg Jan Flachs erneut verletzt hat, wird auch Daniel Staudacher zum Kader gehören, der erst kürzlich aus der eigenen Jugend zu den Aktiven wechselte. Christian Rothe und Johannes Brenner werden den Hallern allerdings erneut fehlen. Nichtsdestotrotz ist der Trainer sehr optimistisch. Doch er weiß rückblickend auch: „Da geht es meistens sehr emotional zu.“ Das wünscht er sich für Samstag natürlich nicht.
Für alle Fans, die ihre Mannschaft zum Derby nach Rothenburg begleiten möchten, gibt es interessante Neuigkeiten: Es wird laut Knights-Homepage freien Eintritt zum Spiel im Städtischen Stadion geben.
