Zu hoher Preis für Südmeisterschaft

 

Was sich die angereisten Unicorns-Fans in Mannheim ansehen müssen, gleicht einem Albtraum: Schwäbisch Hall verliert nicht nur das Spiel, sondern mit Jake Spitzlberger und Fritz Waldvogel auch das Herzstück der Offense. Der gewonne Südtitel hat daher einen sehr bitteren Beigeschmack.

Drei Unicorns-Spieler liegen am Boden, die Mannheimer jubeln: Gerade hat Sean Cooper diese drei Haller ausgetanzt, um dann in die Endzone zum 34:24 für die Bandits zu marschieren. Überhaupt gehört die zweite Halbzeit den Mannheimern: Dem Team um Ex-Unicorn Marco Ehrenfried gelingen 17 Punkte, Schwäbisch Hall nur zwei Field Goals. Diese starke Leistung reicht für die ganz große Überraschung: Der Aufsteiger schlägt den Deutschen Meister.

 

Dabei hatte alles gut und wie gewohnt für den Tabellenführer begonnen: Nicht einmal zwei Minuten benötigte die Unicorns-Offense im ersten Drive, um durch Fritz Waldvogel ihren ersten Touchdown zu erzielen. Anschließend konnte auch die Defense ihren Teil beitragen und den Mannheimer Angriff zu einem Punt zwingen. Die auch nach Mannheim zahlreich angereisten Fans wollten sich dann wahrscheinlich schon auf den Jubel zum zweiten Haller Touchdown einstellen. Doch alles kam anders: Quarterback Jake Spitzlberger setzte zum Lauf an, konnte aber früh gestoppt werden. Er blieb liegen und musste vom Feld getragen werden. Später stellt sich heraus, dass sein Außenband im linken Knie etwas abbekommen hat. Im vergangenen Jahr hätte in dieser Situation noch Marco Ehrenfried die Quarterback-Position übernommen, doch nun mussten die Unicorns, ohne einen richtigen Ersatz-Quarterback im Kader, improvisieren: Receiver Johannes Brenner übernahm die Rolle des Spielmachers.

 

Erst einmal tat aber die Abwehr ihr Bestes, das Spiel weiterhin positiv für Schwäbisch Hall zu gestalten. Sie zwangen Marco Ehrenfried zu seiner ersten Interception. Max Ilgner fing den Ball ab und trug ihn zur 14:0-Führung zurück in die Endzone. Ehrenfried ließ sich davon aber nicht verunsichern und führte sein Team beim nächsten Angriffszug mit einem langen Pass und einem Lauf in die Endzone zum 7:14-Anschluss.

 

Danach wurde das Spiel von den Defensivreihen beider Teams bestimmt: Die Unicorns-Offense stockte ohne „Spitz“ gewaltig – nicht nur Johannes Brenner schien verunsichert, sondern der gesamte Haller Angriff. Selbst als die Defense mit einem geblockten Punt und Ballbesitz an der 15 Yards-Line der Bandits eine gute Vorlage gab, konnte die Offense diese nicht in Punkte umwandeln. Wenn solche Chancen nicht genutzt werden, geht das meist nach hinten los. So auch am Samstag: Sean Cooper erzielte im Gegenangriff mit einem 61 Yards-Lauf seinen ersten Touchdown zum Ausgleich. Johannes Brenner rappelte sich danach auf, führte die Unicorns über das Feld und warf abschließend auf Bruder Felix zur erneuten Führung. Noch vor der Halbzeit war es aber erneut Marco Ehrenfried, der sein Team mit sehr präzisen Pässen heranbrachte. Nur weil der Extrapunkt-Versuch daneben ging, nahmen die Unicorns eine hauchdünne 21:20-Führung mit in die Halbzeit.

 

Die zweite Hälfte brachte nicht mehr viel Gutes für den Deutschen Meister. Zwar konnte die Defense mit einem Quarterback-Sack gegen Marco Ehrenfried zu Beginn noch glänzen, doch wieder machte die Offense zu wenig daraus. So gingen die gastgebenden Bandits mit dem exakt gleichen Spielzug wie beim letzten Touchdown erstmals mit 27:24 in Führung. „Ein historischer Moment“, nannte es der Mannheimer Stadionsprecher. Marco Ehrenfried ließ seine ehemaligen Kollegen dabei erneut nicht gut aussehen – vor allem die Passverteidigung war wieder das große Manko der Unicorns-Defense. Als die Bandits sogar noch auf 34:24 erhöhten, schmolz die Hoffnung auf einen Unicorns-Sieg so langsam. Die Offense hatte zwar noch weitere Chancen, wieder heran zu kommen, aber wieder reichte es nur zu einem Field Goal. Zu allem Überfluss blieb dann auch noch Fritz Waldvogel verletzt liegen und musste mit einer Zerrung im Oberschenkel wie Kollege Spitzlbeger vom Platz getragen werden.

 

Die Unicorns sind trotz der Niederlage Südmeister, die Bandits sicherten sich mit dem Sieg Rang zwei. Doch der Preis, den Schwäbisch Hall für diesen Titel in Mannheim bezahlen musste, ist zu hoch: Nicht nur Spitzlberger und Waldvogel trugen Verletzungen davon, sondern auch David Seiffer und Danny Emmanuel. Wie die Diagnose ausfällt und ob alle Spieler bis zu den Play-Offs in drei Wochen fit werden, wird sich erst in den kommenden Tagen herausstellen. Die Niederlage rückt dabei völlig in den Hintergrund. Ein niedergeschlagener Siegfried Gehrke musste seinem ehemaligen Spieler Ehrenfried ungern loben. „Das war eines seiner besseren Spiele dieses Jahr. Unsere Defense hätte besser spielen müssen, wenn unsere Offense geschwächt ist“, übte er gleichzeitig Kritik. Wie es nach dem verheerenden Verletzungspech für die Unicorns weitergeht, steht auch für den Head Coach noch in den Sternen.